Die Angst des Bauern vor den Bienen (Bild)

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Schafhüterin
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Die Angst des Bauern vor den Bienen (Bild)

Beitragvon Schafhüterin » Mo 11. Feb 2019, 07:58

Kirchberg – Lenz Oberndorfer (38) ist ein ganz durchschnittlicher Bauer. Sein Hof in Halberstätt bei Erding hat 38 Hektar Anbaufläche.

Lenz Oberndorfer ist Nebenerwerbslandwirt. ­Voriges Jahr übernahm er den Hof von seinem ­Vater. Er arbeitet 20 Stunden die Woche als Versuchs­techniker im Pflanzenbau

Quelle: https://www.bild.de/regional/muenchen/m ... .bild.html (nur hier ganzer Bericht)

„Für solche Flächen bekomme ich derzeit 920 Euro pro Hektar und Jahr aus dem Kulturlandschaftsprogramm.

Was sind denn das für Flächen?

Bei uns ist das die Regel, vor dem 15. Juni darf nicht gemäht werden (LSG).
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schafbauer
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Re: Die Angst des Bauern vor den Bienen (Bild)

Beitragvon schafbauer » Mo 11. Feb 2019, 09:18

Ich verstehe beide Seiten ganz gut. Die Seite des Bauern der sein Land bewirtschaften und davon leben will und die Seite des Naturschützers der im Büro einen Plan entstehen lässt der übers ganze Land gezogen wird.

Alles im allen muss man schon sagen: Langsam reichts. :pff:

Auf der einen Seite soll man Kulturlandschaft offen halten und auf der anderen Seite soll man wesentlich spätere Schnittzeitpunkte machen und im Umkehrschluss mehr Getreide und Eiweiss aus anderen LÄndern kaufen, wo so ziemlich alles egal ist. :gruebel: :gruebel: :vogel: :vogel: Da wird das Problem der Beutegreifer noch gar nicht angesprochen :eek:

Auch Bio bekommt schon seit einigen Jahren Falten. Zur Zeit wird es schon schwierig in Ö die Biomilch und Biorindfleisch um entsprechenden Preis an den KOnsumenten zu bringen.

Was mich aber am meisten an der ganzen Geschichte stört, ist dass an allem sowieso die Bauern schuld sind. Auf der anderen Seite sieht man an jeder Ecke eine Baustelle, neue Straße oder wird etwas trocken gelegt.

Mit jeder Massnahmen die in der Vergangenheit durch die EU oder Bund gemacht wurde und die eine erschwerniss in der Bearbeitung gebracht hat, wurde kurz davor das letzte Stück Grasland umgepflügt oder die letzten Baumreihen gerodet oder der letzte Bachlauf verrohrt. Hätte man dafür entsprechend Geld gezahlt oder die Sache nicht für die Zukunft fixiert würden diese Sachen noch existieren. :vogel: :motz: :grr:
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Re: Die Angst des Bauern vor den Bienen (Bild)

Beitragvon Schnucke » Mo 11. Feb 2019, 10:46

Man kann es nie allen Recht machen. Überall wird neues Bauland erschlossen. Hier im Norden stehen viele Häuser leer, aber es wird ständig neu gebaut. Hier gibt es wohl noch viel freies Land. Dafür ist die Natur hier auch noch sehr artenteich. Nur die Insekten sind auch merklich verschwunden. Die haben von Mais nicht viel und die Glyphosatgeschichte ist ja auch noch nicht ausgestanden. Nun werden die privaten Haushalte angehalten auf ihren Balkonen und Terrassen Bienennähpflanzen anzubauen. Ist für mich selbstverständlich. Jedoch kann mit diesen kleinen Nektarquellen nicht die Landwirtschaf ausgeglichen werden. Es muss eine Lösung gefunden werden . Hier gibt es ja noch die Knickregelung.

https://schleswig-holstein.nabu.de/natu ... index.html

Aber auch da haben die Bauern sich beschwert. Sie verlieren ja dadurch Fläche. Aber ohne Insekten brauchen wir bald auch weniger Bauern. Ich habe auch schon mal von Dronen zum Bestäuben gehört.

https://www.golem.de/news/drohne-quadro ... 26125.html

Wo soll das noch hinführen. :?:

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Re: Die Angst des Bauern vor den Bienen (Bild)

Beitragvon schafbauer » Mo 11. Feb 2019, 11:09

Schnucke hat geschrieben: Wo soll das noch hinführen. :?:


Mal ein Beispiel dazu.

Ich wohn ja ein wenig am Land im Dorf. Hier wird - bis auf meinen Nachbarn - der Rasen der Häusler mindestens 1 mal in der Woche gemäht. Davon fährt auf der Hälfte ein Roboter mit Raygras Reinsaat. Mein Nachbar mäht 1mal alle 2 Wochen so wie ich (wenn mich meine Frau ermahnt :lachma: ).

Ich bewirtschafte den Grossteil der Flächen in meinen "Dorfgebiet" und lass schon öfter mal einen Randstreifen entlagn der Grenzen stehen oder um die Obstbäume herum ein wenig. Viel wird beweidet (trotz bestem Ackerstandort) und ich bin der einzige mit einem aufrechten Ökosystem von alten Obstbäumen.

Jetzt kommt schon mal die 1. Nachbarin und beschwert sich dass ich einen Randstreifen bei "ihr" stehen hab lassen. Der Strassenrand (den ich aussamen lasse) sieht auch hässlich aus. Nächste Nachbar glaubt dass durch meinen Randstreifen um MEINE Obstbäume ich die Schnecken züchte udn die alle zu ihm kriechen. Er streut täglich Schneckenkorn!!!!!!!!!!!!! Andere Nachbarin kommt sich extra beschweren weil ich nicht sauber gemäht hab..... nicht mal 1 Quadrameter stehen gelassen..... obwohl sie der volle Ökofritze is.
Weiter Verpächterin steht im Pachtvertrag dass alles sauber ausgemäht sein muss. Andere Verpächterin hat sich schon mal beschwert dass ich nicht sofort die Ränder sauber ausgemäht habe (hab ja fast keinen STress) und dann hab ich auch noch unsauber gemäht (Hochschnitt von 8cm ausprobiert).
anderer Verpächter sagt dass alle Bauern alles niederspritzen und alles vernichten und kauft sich illegal Roundup und spritzt aber echt alles aus. da könnt ich kotzen. 5 Liter Konzentrat in einem 1 Jahr auf 1200 Quadramter Bauparzelle verbraucht.

die beweideten Flächen um meinen Hof sehen nun mal nicht so schön aus. nicht gefressenes Gras säet aus und wird zu heu.... ja und. Hofeinfahrt bei mir is der volle Blühstreifen :love: :love: :love: stört meinen Senioren auch schon mal.

gleich in Sichweite ein kleiner Hang der Bahn den ich erst im Juni mähe. volles Ökoparadies sieht aber von der ferne niht schön aus.

und auf der ANDEREN Seite soll ich GEGEN den Weltmarkt produzieren :gruebel: :gruebel: :gruebel: :gruebel:


wenn mich jemand auch nur ansatzweise anspricht aufgrund der Glyphosgeschichte, Insektensterben, Beizmittel und sonstigen Scheiss könnt ich mittlerweile wirklich schon auszucken. Ich kenne nur wenige Betriebe die Glyphos einsetzen. Vielleicht alle paar Jahre mal. Ich selber weiss gar nicht mehr wann des Zeug am Hof war.

Die Insekten sterben doch nicht von 1 jahr aufs andere aus. da hört man schon mal dass das auto nicht mehr voller insekten ist wenn man am abend fährt :schnee: :schnee: :schnee: weil die Bauern alles umgebracht haben :gaehn: :gaehn: .

Beizmittel wurden verboten und trotzdem sterben die Bienen weiter. In Slowenien ist die Beizung seit 13 Jahren verboten und trotzdem keine Verbesserung. Im Gegenteil....man muss mehr spritzen als vorher.

Niemand möchte auf irgendwas verzichten oder sich schmutzig machen. Man will in jeden Supermarkt FAHRNE können und beste Qualität in Bio vom Bauern vor ort kaufen und geht auf keinen Bauernmarkt weils zu unbequem oder (hinter vorgehaltener Hand) zu teuer ist. Die Bauern verdienen ja e so viel und dann soll man nochmal so viel zahlen dafür.


Ich bin müde
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Re: Die Angst des Bauern vor den Bienen (Bild)

Beitragvon Schnucke » Mo 11. Feb 2019, 12:10

Ich kann Dich gut verstehen. Ich komme ursprünglich aus einer dicht bebauten Wohngegend. Die Rasenmäher standen nie still und Roundup konntest Du bestimmt in jeder Gartenhütte finden. Jedes kleine Wildkraut wird aus Steinritzen gepult. Ich finde es schön, wenn mal ein Löwnzahn oder das Wiesenschaumkraut usw. blüht. Jetzt wohne ich auf dem Land. Habe 6000m² Grundstück zu bewältigen. Ich bin kein Landwirt, habe nur meine sechs Schafe. Die schaffen das aber schon. Außenrum sind nur Felder und massenweise Windräder. Die Landwirte hier fahren ständig mit irgendwelchen Mittelchen im Schlepptau, egal ob Winter oder Sommer. Ich weiß natürlich nicht genau, wa sie dabei haben, ob es nur Kalk, Aussaat (vielleicht mit Pflanzenschutz ummantelt) oder der eine oder andere Dünger ist. Zusätzlich kommt auch noch die Gülle. Der Verbraucher ist an der Misere auch Schuld. Die Landwirte sind ja "gezwungen" billig zu produzieren, weil der Kunde nicht mehr bezahlen will. Es fehlt an Aufklärung oder sind alle so dumm, dass sie denken, dass das so weiter geht. Sie finden die Tiertransporte skandalös, kaufen aber ihr Schweinefleisch im Discounter fü € 3,-. :sauer1: :mauer: Also nicht nur die Landwirte sind schuld, sondern natürlich auch wir Verbraucher und bestimmt auch die Politik. Ich will hier niemanden verurteilen, dazu müsste ich noch tiefer in die Materie eintauchen. Ich glaube jeder muss an sich selbst arbeiten und seinen Beitrag gegen das Insektensterben leisten. Es hat lange gedauert, bis wir darauf aufmerksam wurden, umso schneller sollten wir versuchen, es zu stoppen. Auch im Ausland, wie Du ja selbst angemerkt hast.
Ich wünsche Dir von Deinem Dorf viel Verständnis. Ich weiß, dass man gerade bei der älteren Bevölkerung auf taube Ohren stößt. Haupsache es sieht alles gepflegt aus und es fliegt bloß kein Unkrautsamen in meinen Garten.

LG Schnucke

:biene:

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Re: Die Angst des Bauern vor den Bienen (Bild)

Beitragvon Wilhelm » Mo 11. Feb 2019, 18:19

Hi Schafbauer,
ich bin sowas von bei dir. :nick: :nick: :nick: :nick: :nick: :nick: :nick: Aber es wird immer inner möglichst viel Meinung zu haben. Dabei ist von Ahnung aber :grr: :grr: auch nicht ansatzweise etwas zu merken.
Gruß, Wilhelm

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Re: Die Angst des Bauern vor den Bienen (Bild)

Beitragvon Steffi » Mo 11. Feb 2019, 18:25

Der Spruch: "Ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung" wird auch immer mehr zu meinem Liebling... :klug:
Ich sprech ja häufig mit den Spaziergängern an der Schafweide. Erschreckend, wie wenig den Leuten Zusammenhänge bekannt sind. Wobei ich zugeben muß, daß ich in den letzten Jahren auch viel hab dazu lernen müssen. Manches erschließt sich nicht so auf den ersten Blick, wenn man nicht in der Materie drin steckt. Und wenn dann noch die "Gegenseite" lauter trommelt... ist halt einfacher, fertige, mainstream-taugliche Meinungen zu übernehmen, als selber zu denken.

LG,
Steffi
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