Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

SchnuckenschäferROW
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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitragvon SchnuckenschäferROW » Sa 16. Dez 2017, 22:14

Vielleicht sind die Wölfe in Brandenburg ja anders drauf, aber hier in Niedersachsen gab es in den Landkreisen Harburg zwei und im Landkreis Diepholz einen Angriff am helllichten Tage auf Schafherden. Immer sogar im Beisein des Schäfers, in zwei Fällen beim hüten, in einem Falle in der Koppel.
In Mecklenburg-Vorpommern im Landkreis Ludwigslust-Parchim ebenfalls beim hüten mit drei Wölfen und in Schleswig-Holstein im Landkreis Herzogtum Lauenburg ein unbeholfener Versuch.
Achja, am Nikolaustag haben es zwei Wölfe vormittags um halb elf während meiner Anwesenheit, ebenso Landkreis Harburg (Nds.) versucht. Haben es sich wegen der HSH aber schnell anders überlegt...
Seelig sind die Bekloppten, denn sie brauchen keinen Hammer!

Wild-Bunch-Chris

Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitragvon Wild-Bunch-Chris » So 17. Dez 2017, 18:01

Viele Schafe gehen nachts nach Hause in das Schafcamp, was den Schutz erleichtert. Jedoch
müssen wir sagen, dass es zu gehäuften Attacken durch Wölfe gerade auch am Tag kommt, da
diese „Professoren“ auf die neue Situation reagieren.


Das ist eine Aussage, mit Zahlen belegt, von Frau Michaela Skuban, der Wolfs-/Bärenbeauftragten der Slowakei auf einer Herdenschutz-Veranstaltung 2016. Bei ihrem Vortrag hatte sie auch noch Vergleichsstatistiken dabei, die die Zunahme der Übergriffe tagsüber bei nächtlichem Aufstallen gezeigt haben.
Im PDF, aus dem das Zitat da oben stammt, sind die Tabellen leider nicht dabei.
http://www.gzsdw.de/files/hsh_symposium ... 3_2017.pdf

LG, Chris

Edwin
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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitragvon Edwin » Mo 18. Dez 2017, 06:51

Ich denke schon, dass im Zuge der Anpassung es auch am Tage zu Übergriffen kommt (kommen wird, ev. auch verstärkt) , wenn die Wölfe lernen, dass auch oder gerade tagsüber es möglich ist, ebenso wie nachts Beute zu machen. Dann wird es um so wichtiger sein oder werden die Herden fachgerecht zu schützen.

Grüße

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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitragvon Henry » Mo 18. Dez 2017, 08:23

Wir holen unsere Schafe nachts rein. Das bringt was. Arbeit. Und gibt Hoffnung.
Henry
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Wild-Bunch-Chris

Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitragvon Wild-Bunch-Chris » Mo 18. Dez 2017, 09:35

Mal von so Kleinigkeiten abgesehen, dass meine Rinderhaltung gar nicht auf Aufstallen eingerichtet ist, die Herrschaften haben einen offenen Unterstand zur Verfügung, der im geschlossenen Zustand aber nicht ausreichend gross wäre, weil die Ausweichmöglichkeit fehlt, empfinde ich das berühmte "Aufstallen" hier für mich auch nicht als Herdenschutz, sondern als Kapitulation vor dem Wolf. Deshalb ist meine Einstellung da mehr so: was für die Nacht nicht ausreicht, wird auf Dauer auch tagsüber nicht genügen. Denn der einzige Vorteil, den die Nacht den Wölfen bietet, ist doch letzten Endes, dass die da eher in aller Ruhe alles ausbaldowern können und dabei schlechter zu sehen sind.

LG, Chris

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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitragvon Insane » Mo 18. Dez 2017, 09:40

Wild-Bunch-Chris hat geschrieben:Mal von so Kleinigkeiten abgesehen, dass meine Rinderhaltung gar nicht auf Aufstallen eingerichtet ist, die Herrschaften haben einen offenen Unterstand zur Verfügung, der im geschlossenen Zustand aber nicht ausreichend gross wäre, weil die Ausweichmöglichkeit fehlt, empfinde ich das berühmte "Aufstallen" hier für mich auch nicht als Herdenschutz, sondern als Kapitulation vor dem Wolf. Deshalb ist meine Einstellung da mehr so: was für die Nacht nicht ausreicht, wird auf Dauer auch tagsüber nicht genügen. Denn der einzige Vorteil, den die Nacht den Wölfen bietet, ist doch letzten Endes, dass die da eher in aller Ruhe alles ausbaldowern können und dabei schlechter zu sehen sind.

LG, Chris


Jede Schutzmaßnahme ist Kapitulation - denn das Gegenteil wär ja: Ge(gen)wehr :haehae:

Davon ab stallen wir nicht wirklich auf - wir holen die Jungs nur von der abgenetzten (109cm) Weide auf die KZ-Weide (150cm) rein.
Das ist kein Heu in meinen Haaren - das ist Schäferglitzer :?:

Edwin
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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitragvon Edwin » Mo 29. Jan 2018, 19:22

Das scheint dieser Versuch zu sein, von dem ich vor längerer Zeit mal gelesen hatte. Ich hab mich immer gefragt, was da wohl draus geworden ist.
Die Erkenntnisse finde ich sehr interessant und sie entsprechen eigentlich meiner Erwartung. Litzen sind relativ leicht zu überwinden, mit genug Schwung kommt man da gut durch. Da habe ich auch immer wieder mal einzelne Schafe, die das schnell raus haben. Aber auch bei den Schafen hilft es sehr, wenn die unterste Litze möglichst dicht über dem Boden ist.
Netze sind deutlich schwieriger zu überwinden, eigentlich nur durch Überspringen. Und genau das machen weder die Schafe noch die Wölfe mal einfach eben so. Auch für Schafe sind 90 cm absolut kein Hindernis. Trotzdem bleiben sie drin. Weil sie nämlich a) Respekt vor dem Zaun gelernt haben und b) Springen viel Mut erfordert. Die Aussage, dass Wölfe (normalerweise) nicht springen, halte ich nicht für falsch. Selbst meinen Hunden musste ich das Springen über den Zaun beibringen und die jüngere traut sich immer noch nicht, wenn ich sie nicht deutlich auffordere. Das Überspringen muss ja im freien Flug passieren. Vermutlich würde ein Wolf jedoch erstmal versuchen am Zaun hochzusteigen oder sich mit den Pfoten draufstützen, um einen Überblick zu bekommen und die Lage einzuschätzen. Dabei bekommt er ja dann schon den Strom zu spüren.
Natürlich wird es immer wieder einzelne Wölfe geben, die es lernen über einen Zaun zu springen. So wie man auch immer mal einzelne Schafe hat, die ständig ausbrechen. Diese Wölfe sollten tatsächlich möglichst schnell geschossen werden, damit sie dieses Verhalten nicht ihrem Nachwuchs beibringen. Aber die meisten Wölfe werden nicht springen und es auch nicht mal eben schnell lernen. Wenn sie Respekt vor dem Zaun gelernt haben, weil sie beim Versuch ihn zu überwinden eine gewischt bekommen haben, dann werden sie sich nur noch mit viel Vorsicht nähern, wenn überhaupt.
Weiß jemand, ob man diesen Versuch und die Ergebnisse irgendwo detaillierter nachlesen kann? Der Bericht ist ja leider ziemlich kurz.

LG Saskia

Edit: Hab was gefunden: http://www.protectiondestroupeaux.ch/fi ... _final.pdf

Saskias Beitrag habe ich mal in einen von den Medienmeldungen getrennten Herdenschutzthema reinkopiert...

Absolut interessante Analyse, die Sasdi hier verlinkt, sie zeigt anschaulich, wie sich Caniden am E-Zaun verhalten.
Trotzdem ist diese Analyse nur bedingt auf wildlebende Wölfe zu übertragen, denn der Versuch fand wie beschrieben in einer geschlossenen Wolfsanstalt statt und funktionierte so eben nur über Futterkonditionierung und das ist leider für wildlebende Wölfe wenig repräsentativ. Die Wölfe graten hier in eine Zwangslage und müssen sich (um nicht zu verhungern) früher oder später "irgendwie"verhalten und können nicht wählen oder ausweichen.
Just an dem Tag, als Saskia den Beitrag eingestellt hatte, hatte ich an meiner Koppel den 4. (bemerkten) Wolfsbesuch in dieser Wintersaison. Da ich seit Jahresende eine gut funktionierende Wildkamera an der Hauptangriffsseite installiert habe, konnten auch dieses mal die Grauen in 3 Videosequenzen a 15 sek nachgewiesen werden. Bei der FF Kontrolle an der Koppel auf dem Display glaubte ich noch, die Sequenzen würden einen kurzen Zeitabschnitt umfassen. Insgesamt konnte ich nach Spurenlage 4 Wölfe ausmachen, 3 Individuen waren auf den beiden ersten zu sehen, auf der letzten ein Einzeltier. Die Hauptangriffsseite ist ein Getreideacker mit derzeit weicher Oberfläche.
Am Nachfolgenden Tag untersuchte ich die Spuren genauer und bemerkte, dass 3 Wölfe zusammen unterwegs waren und an wenigen Stellen bis nah an den E-Zaun gelangten. Die meisten Spuren, parallel zur Koppel, verliefen 5-10 m vom E-Zaun entfernt. Jedoch verging von der ersten Sequenz bis zur 2. 8 Minuten, das erstaunte mich, weil ich nicht weiß, was die Wölfe in dieser (langen) Zeit an der Koppel veranstalteten. Nach der Spurenlage in Kombination mit den Fotofallensequenzen sah es so aus, als checkten die Wölfe den Zaun nur ab, bemerkten den Strom und zogen relativ zügig von dannen, denn den Strom kennen sie bereits vom letzten Besuch. Um die gesamte Koppel konnte ich keinen Angriffsveruch ausmachen, der darauf hindeuten könne, den vor dem Knotengitterzaun installierten E-Draht zu überwinden.
Eine reichliche Stunde später kam ein 4. Wolf im geschnürten Trab den anderen hinterher getrottet, stellte sich kurz vor die Fotofalle und zog geradlinig ohne sich weiter für die Schafe zu interessieren den anderen hinterher.

Naja, bin gespannt, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird. Eins weiß ich, die Wölfe werden wieder kommen...

Grüße

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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitragvon Popeye » Di 9. Okt 2018, 19:04

Bei uns ist es so das der Wolf auch am Tage direkt an den Häusern die Nutztiere reist.
Ich komme aus dem Landkreis Nienburg / Weser.
Liegt zwischen Hannover und Bremen.
Wir haben hier ein Rudel aus momentan 4 bestätigten Tieren. Bis vor kurzen waren es noch 5. Ein Jährling wurde vor ca. 2 Wochen tot gefahren.
Sie haben in den letzten 3 oder 4 Monaten immer wieder um die Mittagszeit zu geschlagen. Und das direkt an den bewohnten Häusern.
Wir selber hätten am vergangenen Samstag ein Wolfsriss direkt am Haus am Morgen gegen 8 Uhr. Ein Jäger hat 4 Wölfe eine halbe Stunde später nur unweit von uns über den Acker laufen gesehen. Gestern sollen sie laut Nachbarn gegen 15 Uhr wieder bei uns vorm Zaun gestanden haben.

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Schafhüterin
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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitragvon Schafhüterin » Mi 10. Okt 2018, 04:11

Edwin hat geschrieben:Hier ist es so, dass alle Wolfsangriffe auf Nutztiere grundsätzlich nachts, also bei absoluter Dunkelheit stattfanden. Auch kenne ich keinen Angriff woanders bei Tage, aber ich lass mich gern eines Besseren belehren, dann aber bitte mit Beweis, vorzugsweise hier aus Mitteleuropa.


Am vergangenen Freitag tötete ein Wolf am Vormittag im Kiehnmoor in der Lüneburger Heide eine ausgewachsene Heidschnucke während des Hütebetriebs - obwohl der Schäfer mitsamt seiner drei angeleinten Hütehunde in der Nähe war. Der bemerkte den Angriff, als ihm einige Schafe aufgeregt entgegenliefen.

Hier zu lesen: https://www.agrarheute.com/landundforst ... ion-548024

Bericht steht auch in der Schäferzeitung, Oktober 2018 Seite 17
Schafhüterin


Ich arbeite für Schafe

https://www.facebook.com/Schafhueterin

Heumann
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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitragvon Heumann » Mi 10. Okt 2018, 07:25

Der Bericht ist von September?!?

Dass Wölfe tagsüber jagen, ist ein ganz natürliches Verhalten. Wenn sie nachts jagen, tun sie das nur, weil sie Scheu vor dem Menschen haben. Aber warum sollten sie vor Menschen in Deutschland Angst haben?
Dort wo Füchse und Wildschweine bejagd werden, sieht man sie nicht, weil sie dem Menschen ausweichen. In Berlin hingegen laufen die bei hellichtem Tage durch die Stadt.


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