Romanov Schafe...in Österreich?

kauboi0
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Romanov Schafe...in Österreich?

Beitrag von kauboi0 » Fr 3. Aug 2018, 14:51

Hallo Freunde!
Ich wollte mal rumfragen, ob unter den Forumsteilnehmern auch Halter und Züchter der Rasse Romanov sind , die vlt mal ihre Erfahrungen teilen möchten :) - speziell auch solche aus Österreich, falls es die gibt...
Ich sebst halte schon seit einigen Jahren Böhmerwaldschafe und züchte im Herdbuch (derzeit 16 Muttern mit Nachzucht).

Nun möchte ich meinen Bestand gerne vergrößern bzw auch diversifizieren ;) und bin dabei auf die Rasse Romanov gestoßen. Nach gründlicher Recherche bin ich zu dem Schluss gekommen dass diese Rasse zwar sicherlich eine besondere Herausforderung für den Halter darstellt, allerdings sehe ich für mich persönlich auch ein erhebliches Marktpotenzial, was den Verkauf von Kreuzungstieren (Romanov x Fleischrasse) betrifft. Da es in Österreich (anscheinend..) bisher niemanden gibt, der Romanovs hält und auch in Deutschland nur vereinzelt Zuchtbetriebe vorhanden sind, bin ich schließlich in Tschechien fündig geworden. Dort sind Romanovs weit verbreitet und ich habe bereits einen Betrieb, der sogar vom Rasseverantwortlichen für Tschechien geleitet wird, besucht und mir eine kleine Herde von 3 Lämmern und einem Widder (unter Fleischleistungsprüfung und in CZ Herdbuch eingetragen) reserviert :)

Lange Rede kurzer Sinn: Mögt ihr vlt eure Erfahrungen, Meinungen, etc dazu mitteilen? Romanovs in Reinzucht? Romanovs als Kreuzungspartner? Betreuungsintensität? Wirtschaftlichkeit? Fleischqualität? ...

Vielen Dank im Voraus für eure Inputs :)
LG
kauboi

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KABA
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Re: Romanov Schafe...in Österreich?

Beitrag von KABA » Fr 3. Aug 2018, 19:12

Na, dann will ich mal... ;)
Ich habe diese Rasse, weil ich sie mag! Wir sind vor vielen Jahren durch Zufall und ohne Ahnung an einen Bock gekommen, zusammen mit einer Heidschnucke. Die Schnucke gefiel uns nicht so sehr, also suchten und fanden wir weibliche Romanovschafe. Ich züchte zwar im Herdbuch, trotzdem ist es eine Hobbyhaltung. Mein Mann schlachtet nach Bedarf, und wenn die Felle gut sind, denn es ist ja ursprünglich (und immer noch) eine Pelzschafrasse. Daher auch die große Zahl der Lämmer (Zwillinge bis Vierlinge sind "normal"), denn es wurden damals schon früh Lämmer geschlachtet, um die dann noch schwarzen Fell zu bekommen - die Rasse ist bis in die 1950iger Jahre in Russland eine sehr bedeutende Wirtschaftsrasse gewesen, aber eben wegen der Felle und nicht wegen des Fleisches. Auch die Wolle war sehr wichtig, sie filzt gut und war das Material für die damals sehr beliebten "Walenki"-Filzstiefel. Die sind heute übrigens wieder im Kommen, modisch etwas aufgepeppt. Soweit kurz zur Geschichte dieser Rasse, die es so, nur anfangs deutlich kleiner (in etwa wie heutige Skudden) mindestens schon seit dem 18. Jahrhundert gibt. Muttertiere wiegen so um die 55 Kg, Böcke zwischen 70 und 80Kg. Sie gehören zu den Nordischen Kurzschwanzschafen, was sehr praktisch ist, und sind hornlos; außerdem hat jedes Schaf individuelle weiße Zeichnungen an Kopf oder /und Beinen/Schwanz. Die Rasse ist asaisonal.
Wir haben sie in ganzjähriger Weidehaltung. Da lammen sie manchmal auch, allerdings versuche ich, sie vorher in die Box zu bringen, um besser kontrollieren zu können oder notfalls auch einzugreifen, und um die Mutter-Kind-Bindung sowie die zu mir besser aufbauen zu können. Geburtshilfe ist manchmal nötig, sei es, dass ein Lamm falsch liegt oder auch mal zwei zugleich rauswollen, aber ich denke doch, dass das nicht häufiger passiert als bei anderen Rassen auch. Dadurch, dass die Lämmer und vor allem auch die Köpfe klein sind, sind es meist leichte und problemlose Geburten, Geburtsgewichte variieren und liegen zwischen 1 und 3 Kg.
Es gibt Mütter, die auch Vierlinge ohne meine Hilfe (Flaschenzufütterung) alleine großziehen, allerdings versuche ich schon von Anfang an, ihnen die Flasche anzubieten - damit sie den Nuckel und die Trinktechnik kennen, falls es tatsächlich nötig sein sollte. Ich lasse aber immer alle Lämmer bei der Mutter und füttere höchstens nach Bedarf zu. Da ich meist nur 5-6 Muttern gleichzeitig mit Lämmern habe, ist das vom Zeitaufwand für mich machbar.
Wichtig für mich ist, dass ich die Lämmer von Anfang an an mich gewöhne, denn ich mag keine "Wildlinge". Die gibt es manchmal auch bei zutraulichen Müttern, andersrum hab ich auch von scheuen Müttern sehr neugierige und handfreundliche Lämmer gehabt - nur solche dürfen bei mir bleiben, denn es ist ja Hobby, das Spaß machen soll, und ein Weidewechsel mit leinenführigen Schafen ist dadurch weder für die Tiere noch für mich Streß!
Die Rasse ist zwar frühreif (schon mit ca. 3 Monaten "können" sowohl Jungs als auch Mädchen!!), aber doch nur langsam sich entwickelnd, weshalb ich Lämmer den Winter durchlaufen lasse, im Frühjahr werden sie geschoren, und jetzt so, passend zur Grillsaison, fängt die Schlachtung an, so dass es erstens ausreichend Fleisch und zweitens schöne Felle ergibt. Am Haken sind sie dann mit ca. 15 bis manchmal auch etwas über 20Kg immer noch nicht schwer, aber es ist eben keine Fleischrasse, sondern eher vergleichbar mit Heidschnucken. Andererseits ist aber auch das Fleisch von Alttieren (über 9 Jahre) noch lecker als Braten zu genießen. Mein ältestes Schaf ist jetzt 16, sie hatte mit 12 noch Drillinge aufgezogen, auch Böcke können mit über 10 Jahren noch erfolgreich decken.
Auch weibliche Tiere lasse ich ein Jahr durchlaufen, so dass sie mit 2 das erste Mal lammen - es ist für alle Beteiligten besser so!
Wie gesagt: ich hab diese Rasse nicht aus wirtschaftlichen Gründen, ich möchte sie so haben, wie sie in ihrem Ursprungsland Russland gewachsen ist. In den 1960iger Jahren wurden Romanovschafe erst nach Frankreich exportiert, um die Fruchtbarkeit der dortigen (Fleisch-)Rassen zu erhöhen, später auch in die Niederlande und vereinzelt nach Deutschland, außerdem hatten sich in den damaligen kommunistischen Nachbarländern Russlands teilweise große Zuchten etabliert. Von den französischen und holländischen Linien weiß ich, dass die Tiere im Laufe der Zeit deutlich größer geworden sind, von den östlichen habe ich keine Informationen. Das Problem des Im- oder Exports besteht darin, dass es nur sehr wenig G1-Tiere gibt (in Deutschland sind sie aus der Untersuchungspflicht raus), wobei da wohl gerade in Tschechien in den letzten Jahren sich was verändert hat.
Mit Kreuzungen hab ich nicht ganz so viele Erfahrungen, außer dass ich mal ein Milchschaf bekommen hatte und dadurch nun eine kleine Gruppe Mischlinge hier mit rumläuft. Zum Thema "Schlachttiererzeugung mit Fleischrassen" kann ich daher nichts sagen. Allerdings möchte ich für solche Überlegungen zu bedenken geben, dass es bei Einsatz großkopfiger oder schwerer Bockrassen auf kleinrahmige Romanovmuttern u.U. doch stärker zu Geburtsproblemen kommen dürfte - da wäre ich seehr vorsichtig! Mal abgesehen davon, dass ich es keiner Romanovmutter zumuten möchte, dann wohl deutlich schwerere Lämmer austragen zu müssen - es ist so schon ganz beachtlich, was sie da in den letzten Tagen an Gewicht mit sich rumschleppen muss!
Also: wenn Kreuzungen mit Fleischrassen, dann wohl eher Romanovbock auf Fleischschafmutter, bei der nächsten Generation kann man es evtl. auch umgekehrt machen, wenn es kräftige Tiere sind.

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Re: Romanov Schafe...in Österreich?

Beitrag von kauboi0 » Sa 4. Aug 2018, 07:32

Liebe KABA!

Vielen, vielen Dank für die ausführliche Antwort und die vielen Infos und die tollen Fotos! Wirklich schöne Tiere hast du da!
Mir ist schon klar dass die Kreuzung von Romanov mit Fleischrassen problematisch sein dürfte-aufgrund der Größen- bzw Gewichtsunterschiede. Daher wird auch, wie du sagst, empfohlen Romanov-Widder auf Fleischrasse-Muttern einzusetzen, da die weiblichen Nachkommen dann die hohe Fruchtbarkeit von der Vaterseite teilweise erben. Diese F1-Tiere können dann leichter wieder mit Fleischrassewiddern gedeckt werden (so wird das standardmäßig in Tschechien gemacht soweit ich weiß)

Ich halte die Schafe ja eigentlich auch nur hobbymäßig...erwarte mir also nicht den Großen Reibach durch die Romanovs. Was mich reizt ist eher die Exotik. Der gedanke, landesweit der erste zu sein der diese Rasse hält ist schon reizvoll :engel1: Und ein "Wurf" von 4, 5 oder gar 6 Lämmern ist schon was Besonderes ;) (angeblich liegt der unbestätigte Rekord bei 9 Lämmern aus einem "Wurf", von denen 7 überlebten...)

Ich werde euch jedenfalls weiter berichten wie sich das Projekt entwickelt und freu mich auf eure Rückmeldungen :)

LG
kauboi

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Re: Romanov Schafe...in Österreich?

Beitrag von smallfarmer » Mo 6. Aug 2018, 21:09

Meine Romanovs stammten vom Oberen Hardhof, Uni Gießen. Hab ich eine Zeitlang reinrassig gehalten und dann auch Einfachkreuzungen mit Berichonne
gemacht. Das waren so meine profitabelsten Schafe. Viele Lämmer , gut Milch, immer fleischig. Als Altschafe hat die ein Herr aus dem Sauerland
für gutes Geld gekauft. Angeblich als Musterschafe für die Türkei. :Kuh:
Geschriebene Informationen findest du im Buch Schafzucht von Fritz Haring . Im Netz findest du Informationen über Schafe mit Romanovgenetic
unter Inra 401. So heisst die Rasse die die Franzosen gezüchtet haben.
Einen Romanov Herdbuchzüchter habe ich neuerdings auch wieder vor der Haustür. Er hat wohl auch einen Bock aus der Tschechei.

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Re: Romanov Schafe...in Österreich?

Beitrag von kauboi0 » Mo 6. Aug 2018, 21:59

Hallo smallfarmer!
Danke für die Info! :) Ich plane ebenfalls im 2. Schritt (mit der ersten Nachkommengeneration meiner Romanovs) verschiedene Kreuzungen mit Fleischrassen bzw evtl auch Haarschafrassen) auszuprobieren.
Wie hast du das denn gemacht bei den Berrichon-Kreuzungen? Romanov-Bock * Berrichon-Mutter? Oder umgekehrt? Hattest du da mal schwierigkeiten bei den Geburten (wenn Romanov-Muttern mit schwereren Fleischrasse-Böcken gedeckt wurden?)

Danke und LG
kauboi

mumps
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Re: Romanov Schafe...in Österreich?

Beitrag von mumps » Di 7. Aug 2018, 07:53

Ach ja der Ali cetin.....

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Re: Romanov Schafe...in Österreich?

Beitrag von kauboi0 » Di 7. Aug 2018, 08:36

Wer oder was ist Ali cetin...?

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Re: Romanov Schafe...in Österreich?

Beitrag von KABA » Di 7. Aug 2018, 19:59

der Partner von dem "Herrn aus dem Sauerland"... Den kenne ich nicht, aber den Sauerländer :lachma: Die wollten mal was ganz Großes aufziehen, ist aber wohl nix draus geworden. Wobei es aber wohl inzwischen gerade in der Türkei große Romanonvherden gibt, zumindest findet man da bei youtube so einiges.
Der andere HB-Züchter ist ganz engagiert eingestiegen in die Zucht - ich hoffe, er bleibt dabei :)
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Re: Romanov Schafe...in Österreich?

Beitrag von kauboi0 » Mi 8. Aug 2018, 06:51

Naja, von "ganz groß" bin ich ja mit meinen 4 Romanovs weit entfernt.. :rofl:

Und wer ist der 'andere HB-Züchter'...?

mumps
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Re: Romanov Schafe...in Österreich?

Beitrag von mumps » Do 9. Aug 2018, 07:08

Naja cetin und Thalheimer haben alles was grau war aufgekauft. Egal ob Heidschnucke, Pommern oder Gotland Schaf.
Einige romanov hatten sie auch.

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