Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

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Steffi
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Re: Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

Beitragvon Steffi » Mo 17. Sep 2018, 10:04

Hm, viele der Punkte treffen auch auf Wollschafe zu (Resistenzen, Klauen, leichte Geburten, ...) bzw. sind in deren Zucht sinnvoll. Inwieweit sparen jetzt keine Hörner bei den Kosten? Abgesehen vom Verletzungsrisiko beim Menschen, finde ich Hörner unglaublich praktisch beim Handling. Und so eng, dass kein Platz für Hörner mehr ist, stelle ich meine Schafe nicht. Beim Scheren hält es sich die Waage an Vor- und Nachteilen und das kann für ein wollloses Schaf eh kein Kriterium sein.. nee, steh gerade auf dem Schlauch :gruebel: Am Energieverbrauch kann was dran sein, allerdings wird bei mir auch die Wolle verwertet. Ich könnte mir vorstellen, daß der höchste Energieverbrauch beim "Fell"wechsel (den haben die Nicht-Wollschafe ja) entsteht und nicht beim reinen Längenwachstum? Aber ich hab da nur laienhafte Vorstellungen. Für mich gehört einfach (qualitativ gute) Wolle ans Schaf, nicht nur Muskeln. Ist aber rein subjektiver Geschmack :)
Vielleicht ist es ein bißchen wie bei den Schweinen. Die sollten immer magerer werden und jetzt, wo sie es sind, wird gejammert, daß man keinen guten Speck mehr bekommt... Eventuell sind wir Wollschafhalter nicht in der Zeit hinterher, sondern schon wieder voraus? :mrgreen:

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Rödertaler
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Re: Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

Beitragvon Rödertaler » Mo 17. Sep 2018, 14:11

Auf deutsch ausgedrückt betreibst Du eine Extensivierung. Ich nehm an das da in einen Biosphärenreservat niemand was dagegen hat.
Aber Schafe auf Ackerland zu halten , das widerspricht dem eigentlichen Sinn der Schafhaltung. Nutzung von absolutem Schaffutter z.B. . So betreibe ich das, indem ich urbane Flächen nutze von denen das Futter sonst kompostiert werden würde.
Gewissermaßen betreibst Du Schafhaltung um der Schafhaltung willen. Nicht deswegen weil es zum Betrieb paßt. Dekadente Deutsche.

Trotzdem noch ein Tip: Ackerlandstatus solange behalten bis potentielles Dauergrünland entsteht, ergo 6 Jahre. Solange hast Du Bedenkzeit und könntest theoretisch jederzeit mal bißchen Hafer für Deine Tiere anbauen,Futterrüben, Blühfläche was auch immer. Routieren gewissermaßen. Und bei uns gibts für Ackergras einen extra Zuschuß.

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Re: Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

Beitragvon Steffi » Mo 17. Sep 2018, 15:58

Ja, Schafhaltung der Schafe wegen, klar. Wo steht denn, daß einem die Arbeit, die man macht, keine Freude machen darf? Warum auf Ackerland? Weil´s hier kaum was anderes gibt und zum Hof dazu gab. Ein bißchen Ackerflächen für Hafer haben wir noch, die sind aber noch verpachtet. Ich hätte ja getauscht, aber wo nix ist, kann man nicht tauschen. Hier gibt auch niemand etwas ab, alle suchen, Fläche ist halt endlich... Aber falls es Dich beruhigt: Es ist furchtbar schlechtes Ackerland, die niedrigsten Bodenpunkte in der Gegend, keine Hochertragsflächen. Aber um mich herum sind, bis auf den Biobetrieb mit Mutterkuhhaltung, nur Ackerbauern. Sonst wäre das vermutlich schon lange Grünland. Und ich glaube, mit der entsprechenden Vermarktung bekomme ich mehr Erlös aus der Fläche als mit dem Anbau von Getreide. Die letzten Jahre lag der Reinertrag auf diesen Flächen (damals noch verpachtet, Arbeitszeit nicht mitgerechnet) bei einer knapp schwarzen Null. Dieses Jahr wär´s dann durch die Trockenheit tiefrot gewesen. Es wurde und wird hier geackert, um die Subventionen zu bekommen. Vom Fruchtertrag bleibt nichts hängen.

Wie "extensivierte" Wiesen aus dem HALM-Programm hier aussehen, hab ich täglich vor Augen. Hatte meine Schafe da mal drauf. Obwohl es nur 6 Stück Nachwuchsauen auf 1,2ha waren, mußte ich zufüttern (verbotenerweise), weil die immer weniger wurden :o: Diese Flächen sind schon ewig "extensives DGL", da wachsen keine Blümchen oder Kräuter. Nur dürres Gras. Und Mäuse. Aber Prämien gibt´s dafür. Aber auch das ist ein Rechenexempel, ob man mit weniger (oder gar keinen) Tieren und mehr Prämien am Ende mehr oder weniger Geld in der Tasche hat, als mit mehr Tieren und weniger Prämien. Muß sich jeder selbst ausrechnen.

Der Vorbesitzer unseres Hofes hat Ackerbau betrieben, ein paar Kühe, Puten und Schweine gehalten. Der Hof stand zum Verkauf, weil er sich in der Scheune aufgehängt hat...

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Re: Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

Beitragvon Heumann » Mo 17. Sep 2018, 18:44

Steffi hat geschrieben:Es wurde und wird hier geackert, um die Subventionen zu bekommen. Vom Fruchtertrag bleibt nichts hängen.

Das ist Blödsinn! Und da du scheinbar in der Materie bist, ist das böse Hetze!

Für die, die nicht in der Materie sind: Niemand würde pflügen, grubbern, säen, düngen und Pacht zahlen, nur um am Ende 300 € Subventionen zu bekommen, wenn er diese 300 € auch bekäme ohne irgendwas zu tun, außer einmal jährlich zu Mulchen.

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Re: Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

Beitragvon Steffi » Mo 17. Sep 2018, 19:05

Das waren ja nicht mal meine eigenen Worte, ich könnte dazu gar nichts sagen, weil ich kein Ackerbauer bin, sondern die Wiedergabe der Rechnung meines Nachbarn, seines Zeichens jetzt Landwirt im Ruhestand, der den Hof seiner Eltern übernahm und den jetzt (widerwillig) sein Sohn übernommen hat. Ich weiß auch nicht, warum. Vielleicht Gewohnheit, weil deren Eltern das auch schon so gemacht haben? Vielleicht setzt sich da auch nur niemand mal wirklich hin und rechnet es durch? Man wurschtelt halt und jammert. Niemand macht das hier noch im Haupterwerb, viele nur nach Feierabend, um den noch lebenden Eltern den Verkauf ihres Lebenswerkes zu ersparen. Achja: Und weil man das ach so kostbare Ackerland ja nicht in DGL umwandelt! Das Land ist halt da, seit zig Jahren mühsam im Familienbesitz gehalten und ggf. vermehrt, also wird es halt beackert. Ich bin sicher, mit Deiner Methode würden hier viele besser fahren. Wir reden hier auch nicht von einigen Hundert € Pachtpreis. Für unsere 5ha, die wir verpachtet hatten, haben wir 250€/Jahr bekommen. Insgesamt, nicht pro ha.
Traurig? So ist es halt hier.


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Re: Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

Beitragvon Rödertaler » Di 18. Sep 2018, 05:23

Wenn es so schlecht wäre hätten Deine Nachbarn den Ackerbau längst aufgegeben. Die Technik ist vorhanden, Gebäude auch,, Spaß macht das auch ein bißchen, also weshalb sollten die das nicht fortführen? Und eigenes erzeugtes Getreide etc hat auch was, Lebensmittelsicherheit, kurze Wege etc. Oder für BIOerzeugung. Hier im Biosphärenreservat haben auch Genossenschaften damit angefangen, alte Getreidesorten anzubauen. Dickkopf? irgendwas, das wird nachher zu speziellen Kastenbroten verbacken. Vielleicht auch bei Euch ein Weg. Du schreibst als würden dort nur Depressive leben.
Die Wiesen werden sich durch die Schafbeweidung sehr verbessern, das habe ich hier festgestellt auf den Winterkoppeln. Kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen das ein reines Ackerbaugebiet zum Reservat erklärt wird. Die werden noch auf Dich zukommen ob Du nicht paar hundert ha beweiden möchtest gegen Bezahlung.
Wenn 6 Schafe auf einem Ha Heu aufm Halm weniger werden muß man mal prüfen ob die ein gesundheitliches Problem haben.

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Re: Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

Beitragvon Steffi » Di 18. Sep 2018, 08:17

Ich glaube, Du machst Dir falsche Vorstellungen. Wenn ich von "hier" schreibe, meine ich unsere 1200 Kopf starke Gemeinde, die früher überwiegend landwirtschaftlich geprägt war. Heute arbeiten die "jungen" Leute außerhalb (Einzugsgebiet Frankfurt/Wiesbaden). Die Alten mit ihren Höfen sind zum immer kleiner werdenden Teil noch da, von den Söhnen und Töchter hat aber kaum jemand Interesse an der LW, die haben alle ihr eigenes Leben. Unser Lohner freut sich, der bekommt jedes Jahr mehr Aufträge, weil man die Felder ja nicht brachliegen läßt. Und bevor hier jemand Land abgibt, schneiden sich die Alten lieber die rechte Hand ab. Die Jungen denken teilweise anders, haben aber noch nichts zu melden. Höfe werden verkauft, aber i.d.R. nur ohne Land. Gerade steht wieder einer zum Verkauf. Die Erben leben in Wiesbaden und Finnland. Interesse? Die Scheunen und Ställe sind alle eng, niedrig, dunkel, alles über 100 Jahre alt. Maschineneinsatz beim Misten Fehlanzeige. Die Höfe innerorts ineinander verschachtelt, Felder außerhalb. Im unteren Ortsteil hauptsächlich Wohngebäude, Neubaugebiete und Gewerbe (ehemals Passavant, die mit den Gullideckeln).
Unsere Gemeinde ist stark ackerbaulich geprägt, umliegend sieht das teilweise anders aus. Viel Wald, es gibt auch fast reine Pferde-Gemeinden, im Nachbarort gibt es ein paar Schaf- und Ziegenhalter. In unserem Ort gibt es den Bio-Bauern mit Mutterkuhhaltung (15 Stk.), ein paar Hühner, Gänse, Enten. Dann noch jemanden mit Pferden (4 eigene, 4 in Pension). 3 Schafe leben rund um eine Maschinenhalle, 6 weitere beweiden von Mai bis Oktober eine 3000m² große Solaranlage, den Rest des Jahres verbringen sie ebenfalls in einer Maschinenhalle. Sicherlich leben in der einen oder anderen Scheune auch noch ein paar Ferkel und Hühner für den Eigenbedarf. Ein bißchen Streuobst, ansonsten Raps, Gerste, Weizen, bißchen Hafer. die durchschnittliche Ackergröße liegt hier um die 3000m². Alles klein-klein, altbacken und wenig Geld. Hauptsache am Samstag wird die Straße gefegt, notfalls mit einer Hand am Besen, mit der anderen am Rollator. Mit so neumodischem Kram wie "Bio" muß man den Alten hier nicht kommen. Bin schon erfreut, wenn hier ein paar Sonnenblümchen-Inseln stehen. Und ja, die sind/waren alle mit Leib und Seele Bauern. Aber die sterben aus, Nachfolge will sich von den Kindern so gut wie keiner antun.

Unser Dorf ist nur ein winziger Schnipsel in dem riesigen Gebiet, das Biosphärenregion werden soll.

LG,
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Zuletzt geändert von Steffi am Di 18. Sep 2018, 09:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

Beitragvon Manfred » Di 18. Sep 2018, 08:37

Ich habe auch öfter den Eindruck, dass hier im Forum mancher nicht verstehen will, wie extrem unterschiedlich die Bedingungen sind, unter denen die Betriebe im deutschsprachigen Raum arbeiten.

Wenn ich da nur an das eine oder andere Telefonat mit Nick denke, wo er im Breisgau auf saftiger Weide zwischen seiner Herde stand und ich am gleichen Tag mit der Axt verkrustete Eisplatten von den Rundballen gehackt habe.
Wir haben von Betrieben mit großen, arrondierten Flächen auf guten Böden in Gunstklima bis zu winzig parzellierten Strukturen auf schlechten Böden und mit ungünstigem Klima alles dabei.

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Re: Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

Beitragvon Steffi » Di 18. Sep 2018, 08:46

Ich komme ursprünglich aus dem Ruhrpott, habe dann eine Zeitlang im Münsterland gewohnt, war auch viel in Schleswig-Holstein unterwegs und lebe jetzt seit 15 Jahren im Untertaunus. Auf der Karte sind es nur ein paar Kilometer, in der Realität liegen da Welten zwischen.

Die Höfe hier sind so klein und eng gebaut, daß man schon beim Schlepperkauf aufpassen muß, ob man damit überhaupt auf den Hof kommt (das ist kein Witz) :lol:

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Re: Auswirkungen von Biosphärenreservat auf die Schafhaltung?

Beitragvon Manfred » Di 18. Sep 2018, 09:02

Und wenn es mal Biosphärenreservat ist, kann da auch keiner mehr aus dem Dorf aussiedeln in die neuen, flächendeckenden Landschafts- und Naturschutzgebiete.
Dann ist die Landwirtschaft in der Region totgeschützt.


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