Wissenschaftler bestätigen dramatisches Insektensterben


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LuckyLucy
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Re: Wissenschaftler bestätigen dramatisches Insektensterben

Beitragvon LuckyLucy » Mo 11. Jun 2018, 19:13

Gestern beim Umtrieb hätte ich hinter der Herde gern einen Imkerschleier gehabt - so viel zum Thema.
Auf dem Straßenstück war die Menge der Summer und Brummer aber schon deutlich weniger.
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st68
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Re: Wissenschaftler bestätigen dramatisches Insektensterben

Beitragvon st68 » Di 12. Jun 2018, 12:44

Also das Insektensterben abzustreiten, weils ja noch so viele blutsaugene Plagegeister gäbe, halte ich für weit daneben gegriffen. Genausowenig sind die Bestände von künstlich am Leben gehaltenen Honigbienen ein Indiz gegen das Insektensterben.

Die seröseren unter den Wissenschaftlern betonen immer, dass sich der Artenschwund unter den Insekten fast nur auf die Nektar suchenden und Pflanzenbestäubenden Arten beschränkt. Also Hummeln und Wildbienen. Und das sind nun mal genau die, die Pflanzenschutzmittel in größeren Mengen aufnehmen (müssen). Da einen direkten Zusammenhang zu abzustreiten. Na ja...

Hummeln kann ich pro Jahr an einer Hand abzählen. Wilde Bienen gibts hier gar keine mehr und die domestizierten sind schon extrem selten.

Neulich gab ein Insektenfachman zum besten, dass die Städter doch bitte nicht so viele Honigbienen auf ihren Balkonen halten sollten. Denn seit diese Unsitte in Mode kam, gehen die Restbestände an wilden Bienen noch schneller den Bach hinunter, bzw. verschwinden völlig. Denen wird nämlich von den dicken Honigbienen der letzte Rest Nektar wegefressen.

Manfred
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Re: Wissenschaftler bestätigen dramatisches Insektensterben

Beitragvon Manfred » Di 12. Jun 2018, 15:37

Ich bestreite gar nichts. Ich kann nichts beurteilen, zudem mir keinerlei aussagekräftige Daten vorliegen.
Ich warte immer noch darauf, dass hier im Thread jemand entsprechende Daten verlinkt.

Hier gibt es jedenfalls viele Arten von Wildbienen und Hummeln.
Und ich wüsste nicht, wo diese zumeist hochspezialisierten Arten nennenswerte Mengen an PSM aufnehmen sollten.
Da müssten wir Bauern ja die Pflanzen spritzen, auf die diese Arten spezialisiert sind.

Wenn man diese Arten finden will, muss man sie halt dort suchen, wo sie vorkommen.
In einem Weizenfeld würde ich nicht besonders viele Wildbienen erwarten.
Und wenn, wie in Krefeld, die Pflanzenartenvielfalt der betreffenden "Naturschutz"-Flächen durch Stilllegung massiv reduziert wird, wovon sollten dort dann Wildbienen leben?
Wobei dort ja nur Daten zur Biomasse der Insekten veröffentlicht wurden. Eine Auswertung, welche Arten dort mehr oder weniger geworden sind, konnte ich bisher nirgends finden.
Erwarten würde ich einen deutlichen Rückgang der Biomasse der Wasserinsekten. Die kriegen ja nichts mehr zu Fressen durch die massive Ausmagerung der Gewässer. Außerdem würde ich erwarten, das die mit den verschwundenen Pflanzenarten korrelierenden Insektenarten deutlich weniger geworden sind.
Aber das Missmanagement in den "Naturschutz"-Gebieten dort lasse ich mir nicht an die Backe kleben. Dafür sind alleine die Zuständigen Behörden und NGOs verantwortlich.
Wenn diese nicht in der Lage sind, die Biodiversität auf den ihnen zu diesem Zweck anvertrauten Flächen zu erhalten oder zu mehren, dann sollte man ihnen diese Flächen schleunigst wieder wegnehmen.

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Re: Wissenschaftler bestätigen dramatisches Insektensterben

Beitragvon LuckyLucy » Mi 13. Jun 2018, 07:59

Bei uns leben Wildbienen unter den Terrassendielen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, letztes Jahr waren sie noch nicht dort.

Die dicken Hummeln allerdings sind in diesem Frühjahr so gut wie gar nicht gesehen worden.
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Re: Wissenschaftler bestätigen dramatisches Insektensterben

Beitragvon Steffi » Mi 13. Jun 2018, 08:14

Ganz subjektiver Eindruck meinerseits:
In meinem Garten gibt es deutlichst weniger Hummeln. Die Wildbienen, die sonst immer an der Bachböschung nisteten, sind nicht mehr da. Die Holzbienen, die im Fachwerkgebälk von Nachbars Scheune leben, hab ich dieses Jahr auch noch nicht gesehen. Keine Tagpfauenaugenraupen gesehen und nur vereinzelt Falter. Dafür gefühlt Myriaden an nervigem Stechviehzeugs wie Bremsen (Blinde Kuckucks, Pferdebremsen), Kriebelmücken und Fliegen.
Vögel dagegen scheint es mehr zu geben, als in den letzten zwei Jahren.

LG,
Steffi
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Re: Wissenschaftler bestätigen dramatisches Insektensterben

Beitragvon Manfred » Mi 13. Jun 2018, 18:11

:eek:
Das hat im SV-Forum jemand verlinkt:

http://www.grasslanz.com/LinkClick.aspx ... d&tabid=79

"Abstract:
Bird numbers over a 12 month period were reduced by an average of 87% in large scale demonstration sowings that compare AVANEX™ tall fescue with existing airport vegetation at three New Zealand airports: Christchurch, Hamilton and Auckland.
Scientific data from trials comparing AVANEX™ tall fescue and perennial ryegrass with unselected wild-type fungal endophytes in the same cultivars show a significant reduction of 69% for above ground insects and 88% for below ground insects, over three seasons."

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Re: Wissenschaftler bestätigen dramatisches Insektensterben

Beitragvon st68 » Mi 13. Jun 2018, 18:41

Manfred hat geschrieben:Und ich wüsste nicht, wo diese zumeist hochspezialisierten Arten nennenswerte Mengen an PSM aufnehmen sollten.
Da müssten wir Bauern ja die Pflanzen spritzen, auf die diese Arten spezialisiert sind.
Nur um keinen Link auf Greenpeace, oder NABU zu legen: https://www.br.de/themen/wissen/bienen- ... e-100.html

www.br.de hat geschrieben:Neonicotinoide können die Gehirnprozesse der Bienen stören und ihre Kommunikation, Navigation und Pollensammelfähigkeit einschränken. Beim Einsatz der Pestizide machen die Tiere weniger Sammelflüge, weil sich ihre Orientierungsfähigkeit verschlechtert. Sie brauchen länger für ihre Rückkehr in den Bienenstock.


Manfred hat geschrieben:Wenn man diese Arten finden will, muss man sie halt dort suchen, wo sie vorkommen.
In einem Weizenfeld würde ich nicht besonders viele Wildbienen erwarten.
Auch eine Ursache für immer weniger Insekten, der Schwund von Lebensraum. An dem die Landwirtschaft (ein bestimmter Teil davon) nicht unschuldig ist.

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st68
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Re: Wissenschaftler bestätigen dramatisches Insektensterben

Beitragvon st68 » Mi 13. Jun 2018, 18:49

Manfred hat geschrieben:Da müssten wir Bauern ja die Pflanzen spritzen, auf die diese Arten spezialisiert sind.
Wenn der Lebensraum für Wildbienen sich nur noch auf Feldränder beschränkt, spritzen die Bauern in jedem Fall genau die Pflanzen, von denen sich diese Bienen ernähren. Ich weiß, nicht nur Landwirten setzen Pflanzenschutzmittel ein.

Außerdem sollen Insekten ihren Flüssigkeitsbedarf meißt nur aus von Pflanzen "ausgeschwitzten" Wassertropfen decken. Wuchsen diese Pflanzen aus gebeiztem Saatgut heran "schwitzt" diese Pflanze ihr Leben lang geringe Mengen des Beizmittels (Neonicotinoide?) aus und vergiftet schleichend, nicht plötzlich, die von ihr lebenden Insekten.

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Re: Wissenschaftler bestätigen dramatisches Insektensterben

Beitragvon Manfred » Mi 13. Jun 2018, 21:46

Welches Neonicotinoid ist denn in der EU zukünftig noch zugelassen, und wie wird es eingesetzt?

Hier in der Region hat der Vertragsnaturschutz inzwischen mehrere 100 ha Wiesen zerstört.
Die dominierende Blühpflanze dort ist im Sommer inzwischen Jakobskreuzkraut. (z.B. die Fluren von Nordhalben und Neufang).
Der Aufwuchs der Flächen ist für die Landwirte nicht mehr als Tierfutter nutzbar und muss über Biogasanlagen entsorgt werden.
Der Sommerhonig der Imker ist mit Pyrrolizidinalkaloiden verseucht.
Und jetzt bricht mit dem Rapsanbau auch noch die wichtigste Frühjahrstracht weg.
Aber diese Flächen kann man dann ja für die nötige Ausweitung des Getreideanbaus nutzen, wenn in den Getreideschlägen mehr Unkraut stehen soll. Einen Außenschutz wird es auch dafür nicht geben, wodurch der Strukturwandel weiter beschleunigt wird.
Das Ergebnis sind große Reinkululturschläge mit Brennnessel- und Altgrasdominierten Brachflächen dazwischen. Da gehen dann Wildbienen dann so richtig ab...

Statt mich auf die einfachen und deshalb extrem zerstörerischen Antworten der einschlägigen NGOs und der Presse einzulassen, setze ich mich mit viel Zeitaufwand dafür ein, das Wissen um die regenerative Landwirtschaft zu verbreiten. Da wird nämlich wirklich Biodiversität zurück auf die Flächen gebracht, in Forum von tausenden Arten, die keine der namhaften Naturschutz NGOs interessieren, weil sie nicht lieb gucken können und deshalb keine Spenden bringen.

Dazu gehört dann z.B. sowas hier:
https://www.youtube.com/watch?v=nHXcZurmvD0

Die Quarks-Redaktion wird dann evtl. irgendwann auch noch verstehen, dass nur die Landbewirtschafter Bienen schützen, und sich solche dümmlichen Aussagen, wie die am Ende des Films zukünftig sparen. In den Räumen der Quarks-Redaktion wird in der Hinsicht nämlich nicht viel Praktisches passieren.


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