Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

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Henry
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Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

Beitragvon Henry » Mi 23. Nov 2016, 10:49

Moin,

leider finde ich im Netz nicht sehr viel Konkretes zur Zaunbauförderung und Entschädigung.

Beispielsweise habe ich erfahren, daß sich die maximale Förderung beim Zaunbau auf die zum Zeitpunkt der Antragstellung gehaltenen Schafe bezieht. Am Telefon habe ich erfahren, daß ich zum Beispiel Anspruch auf Förderung von 500m Zaun in E-Netzen bzw. deren Preisequivalent hätte. Leider ohne Rechtsgrundlage und leider auch ohne eine Information, ob bei Zunahme des Schafbestandes im nächsten Jahr nachgefördert wird oder bei Abnahme zurückzuzahlen ist. Weiß da jemand hier Genaueres?

Gesetzt den wünschenswerten Fall, ein junger Gesell, noch jünger viel viel jünger als ich je war, möchte sein Leben zukünftig als Schäfer fristen und beabsichtigt sich 160 AI-gefüllte sicher Zwillinge tragende Bluefaced Leicester-Schafe zu importieren. Dann hat der im Moment ja genau kein Schaf. Daraus folgt, daß er keine Wolfschutzmaßnahmen gefördert bekommt. Er kann die Schafe also nur auf ungesicherte Weiden stellen, denn baute er den Schafen sichere Weiden vorher, verlöre er den Förderanspruch (der keiner ist, siehe unten) sowieso, wegen Maßnahmebeginns vor Zusage. Keine Schafe zum Antragszeitpunkt zählbar = keine Förderung. Aber auch, keine sichere Weide = keine Entschädigung. Also muß er selber ran.

Werden aus 160 Mutterschafen im Märzen durch Lammung 480 Schafe würde sich auch sein Zaunanspruch verdreifachen. Die Schafe sind nun alle da und zählbar und jeder kann sie sehen. Jetzt besteht also Anspruch auf den Zaunbauzuschuß für 480 Schafe, obwohl der Geselle ja schon für 160 Schafe auf eigene Kosten Zäune gesetzt und Weiden geschützt hat. Der hat folglich Zaun für 640 Schafe. (erst 160 selbst + dann 480 gefördert)

Nun kommt der Herbst, die Auktionen laufen und 320 Lämmer, die für den Zaunbau mitgezählt wurden, gehen ab. Der Schäfer hat also wieder nur 160 Mutterschafe aber den geförderten Zaun für 480. Was nun? Eindeutig werden die Förderparameter jetzt verletzt.

Oder im Sommer kommt der Wolf und reißt bei einem Züchter mit nur 20 Schafen und gefördertem Zaun die halbe Herde. Auch dann werden die Förderparameter verletzt.

Wie weiter also? Hat jemand bereits Zäune gefördert bekommen und ist kontrolliert worden?



(Aus der Erklärung unter dem Antrag: Die beantragte Zuwendung wird aus Mitteln des Freistaates Sachsen gewährt. Die nachfolgenden Erklärungen und Verpflichtungen sind erforderlich, um die Einhaltung von landesrechtlichen Vorschriften zu gewährleisten. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht nicht. Mir/uns ist bekannt, dass eine Förderung nur erfolgt, wenn ich/wir zu sämtlichen nachstehenden Erklärungen und Verpflichtungen mein/unser Einverständniserkläre/n. ... Ich/wir bestätige/n, dass es sich bei mir/uns nicht um ein Unternehmen in Schwierigkeiten handelt. ... Ich/wir erkläre/n, sofern ich/wir Träger eines Unternehmens bin/sind, dass mein/unser Unternehmen seinen gesamten Verpflichtungen zur Zahlung von Steuern und Beiträgen zur Sozialversicherung nachgekommen ist ... Eine Rechtspflicht zur Abgabe der personenbezogenen Daten besteht nicht. Eine Förderung kann in diesem Fall nicht erfolgen. ... )
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Re: Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

Beitragvon st68 » Mi 23. Nov 2016, 12:04

nennt man so was nicht einen sittenwidrigen knebelvertrag, bei dem der unterzeichner sich völlig dem unkalkulierbaren willen antragsausstellers unterwirft?

muß mir wohl mal den förderantrag für meck-pomm raussuchen...

P.S. ich denke mal, falls die fördersumme wirklich von der anzahl der tiere abhängt, sind dann immer nur die mutterschafe gemeint. der rest deiner bedenken könnte jedoch begründet sein. solche förderbedingungen sind in der regel absolut nicht durchdacht. oder mit absicht so gestrickt, das ein großteil der bedürftigen von vornherein unten durchfällt.

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seb
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Re: Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

Beitragvon seb » Mi 23. Nov 2016, 12:47

Henry,
in diesem Fall sollte man nicht in Foren oder im Netz seine Antworten suchen, sondern bei zuständigen Leuten. In Sachsen sind Ansprechpartner im Anhang 8.6 des Wolfsmanagementpalns genannt. Ich würde da nicht auf dem Landratsamt anfangen, sondern weiter oben. Im Ministerium ist Bernd Dankert verantwortlich, und ich habe ihn als kompetent erlebt. Deine Frage ist ja absolut berechtigt, aber kein Standardfall. Dich kennend, würde ich auch empfehlen, nicht gleich mit der Axt die Tür einzuschlagen. Klopfen reicht.

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Re: Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

Beitragvon Manfred » Mi 23. Nov 2016, 13:17

seb hat geschrieben:Dich kennend, würde ich auch empfehlen, nicht gleich mit der Axt die Tür einzuschlagen. Klopfen reicht.


:lol:
Ja. Ist manchmal besser. Manche Gegenüber neigen dazu, sich zu verschanzen und unkooperativ zu werden, wenn man ihnen die Tür eingeschlagen hat.

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Henry
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Re: Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

Beitragvon Henry » Mi 23. Nov 2016, 13:34

seb hat geschrieben:... Deine Frage ist ja absolut berechtigt, aber kein Standardfall. ...
Also in der Schlachttiererzeugung ist das starke Schwanken der Bestandsgröße durchaus und absolut der Standardfall.

Im Winter hält der Lämmerproduzent drei Böcke und 100 Schafe (103 Köpfe) und im Sommer hat er drei Böcke, 100 Schafe und 200 Lämmer (303 Köpfe). Und dann kommt der Viehhändler und holt sich die Lämmer und der Schäfer gibt noch paar Altschafe mit und hat plötzlich nur noch 70 Schafe, 10 Zutreter und 3 Böcke (83 Köpfe). Weil die Lämmer aber gutes Geld brachten fährt er auf die Auktion und kauft sich ein Bluefaced Leicester Bocklamm und dazu auch noch 10 Scottish Blackface Gals. 94 Köpfe fressen jetzt bei ihm. Bis die Lammung los geht ... Und niemand würde behaupten, daß es sich um den "Sonderfall einer Neugründung" handelt oder daß die Schäferei da wächst oder schrumpft. Selbst, wenn alles gleich bleibt, schwankt der Bestand in Kopf in der Größenordnung der Ablammrate.

Deshalb genau zählen die Schäfer ja Mutter- oder Winterschafe. Die Bezuschussung erfolgt jedoch nach Kopf.
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Re: Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

Beitragvon seb » Do 24. Nov 2016, 17:29

Ich würde mich nicht mit solchen konstruierten Verhältnissen beschäftigen, sondern Deinen konkreten Fall mit einer kompetenten Stelle versuchen zu klären. Es gab ja schon immer Richtlinien oder Förderbedingungen, die sich auf den Mutterschaf- oder Durchschnittsbestand oder eine Stichtagszahl bezogen haben, und mit denen man z.B. Neugründungen oder Betriebsumstellungen nicht darstellen konnte.
Dafür muss man dann ein Verständnis herstellen, und man muss die geplante Veränderung auch konkret und glaubwürdig darlegen. Keine Förderstelle wird aufgrund einer möglicherweise irgendwann geplanten Aufstockung schonmal Geld rausgeben.

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Re: Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

Beitragvon Henry » Do 24. Nov 2016, 18:19

Morgen Nachmittag ist hier Termin. Vielleicht kann ich da ganz konkret klären wie's nun ist. Zumal in wesentlich mehr Zaun errichten will, als mir aus der Schafzahl zusteht. Ich werde berichten.
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Re: Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

Beitragvon Fröschchen » Do 13. Apr 2017, 17:48

Henry hat geschrieben:
seb hat geschrieben:
Deshalb genau zählen die Schäfer ja Mutter- oder Winterschafe. Die Bezuschussung erfolgt jedoch nach Kopf.


Ist bei ca. 150 Tagen Tragzeit ein Winterschaf (das kann ja auch ein Zutreter sein?) dann ein evtl. werdendes Mutterschaf? Nur wegen der Begrifflichkeit, will ich doch auch immer präziser ausdrücken können :freu: )

Henry hat geschrieben:Morgen Nachmittag ist hier Termin. Viellenicht kann ich da ganz konkret klären wie's nun ist. Zumal in wesentlich mehr Zaun errichten will, als mir aus der Schafzahl zusteht. Ich werde berichten.


Da noch kein Bericht kam: Was kam bei raus?

PS: Und das Video mit dem Wegrennen von den Schafenwegen bessere Einfangens steht auch noch aus ;), könnt doch die Enkelin der kleinen Pflaumenkuchensuperomi aufnehmen... Wir alle wären bestimmt erheitert :lol:
Fröhlich gequakter Gruß :flag: und weggehüpft!!! :duck:

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Re: Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

Beitragvon balin » Do 13. Apr 2017, 19:50

Das mit den Staatsirren muß man relativieren, sonst wird man nicht glücklich. Ich persönlich bin Landwirt und Hirte., aber kein Bettler und Bittsteller.
Im Zweifelsfall machen die Kleinbuben auf den Ämtern, was sie wollen, nur nicht bei mir.
Mit den Wölfen kann man eine Menge anderes Gesindel aussperren. Aber bestimmt nicht die, die einen gefüttert haben.. ;)

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Re: Förderung / Entschädigung Sachsen konkret

Beitragvon Henry » Do 13. Apr 2017, 20:33

Fröschchen hat geschrieben:
Henry hat geschrieben:Morgen Nachmittag ist hier Termin. Viellenicht kann ich da ganz konkret klären wie's nun ist. Zumal in wesentlich mehr Zaun errichten will, als mir aus der Schafzahl zusteht. Ich werde berichten.

Da noch kein Bericht kam: Was kam bei raus?
Na noch nix, bzw. nur eine Eingangsbestätigung. Der Wolfberater berät, er entscheidet das nicht. Und gleich gleich mal garnicht.
Fröschchen hat geschrieben:... das Video mit dem Wegrennen von den Schafen ... Wir alle wären bestimmt erheitert :lol:
Aber die Welt derer, die daran zweifeln, würde zerstört und sie würden staunen - will ich das? Und deren Schafe hätten dann keine Angst mehr, obschon es vermutlich Gründe gibt. Ich halte mich an die Worte von Old Ewe: "... the most important of all, you must promise never ever to let this password we be about to give to be used against any sheep anywhere - never ever!" This Weggerenne is a password ... :oberlehrer:
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