WikiWolves-Einsatz bei mir

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Sasdi
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WikiWolves-Einsatz bei mir

Beitragvon Sasdi » Mi 11. Jul 2018, 17:55

Als ich im Zuge der vielen Diskussionen über Wölfe und Schafe auf die Initiative WikiWolves stieß, gefiel mir das Konzept sofort. Menschen, die sich über die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland freuen, aber sich der Probleme und Schwierigkeiten bewusst sind, die dies insbesondere für die Weidetierhalter mit sich bringt. WikiWolves ist eine Plattform, auf der Freiwillige mit Weidetierhaltern zusammengebracht werden, um diese bei notwendigen Herdenschutzmaßnahmen mit ihrer Arbeitskraft zu unterstützen.
Ich habe eine kleine Hobbyschafzucht mit Shetlandschafen und kann in den Sommermonaten eine Fläche nutzen, die mit einem nicht wolfssicheren Wildzaun eingezäunt ist. Der Einsatz von Elektronetzen ist auf dem Gelände aus verschiedenen Gründen kaum möglich. Deshalb plante ich, den Zaun außen mit zwei stromführenden Drähten aufzurüsten. Die Zaunlänge beträgt ca. 500 m, als Zaunpfosten für den Wildzaun dienen alte Wasserrohre aus verzinktem Stahl, an vielen Stellen ist der Zaun stark zugewachsen. Für die Aufrüstung mussten Isolatoren an den vorhandenen Pfosten angebracht und insbesondere der gesamte Bewuchs unter den stromführenden Drähten beseitigt werden. Da dies für eine Person alleine kaum zu bewältigen wäre, habe ich mich Ende 2017 an WikiWolves gewandt und angefragt, ob ich im Mai 2018 ein paar Helfer bekommen könnte.
Der Kontakt war schnell hergestellt und ich hatte den Eindruck, man würde sich über meine Anfrage freuen. In mehreren E-Mails und Telefongesprächen klärten wir die Details, was soll gemacht werden, welches Werkzeug wird benötigt, soll der Einsatz einen oder zwei Tage gehen und welches Wochenende im Mai wäre günstig. Die Leute, mit denen ich Kontakt hatte, waren keine blauäugigen Wolfsfans, sondern naturverbundene Tierfreunde, die sich nicht nur über die Rückkehr der Wölfe freuen, sondern sich auch um das Wohlergehen der Weidetiere sorgen. Durch ihre bisherigen Einsätze bei verschiedenen Schafhaltern konnten sie die Sorgen und Nöte der Viehhalter sehr gut nachvollziehen.
Wir fanden schließlich einen Termin Ende Mai, an dem drei Helfer Zeit hatten. Ich besorgte das notwendige Material und kümmerte mich um die Verpflegung. Sonntagvormittag um 10 Uhr standen also drei gutgelaunte Helfer vor meiner Tür und wir planten das genaue Vorgehen. Da das Anbringen der Isolatoren am meisten Arbeit machen würde und auch von mir alleine kaum zu schaffen wäre, hatte dies Priorität. Wir bildeten zwei Zweierteams und machten uns an die Arbeit. Mit meiner Teampartnerin entwickelte ich schnell eine Routine, jeder hatte seine Handgriffe und wir kamen gut voran. Auch das andere Team war sehr fleißig und ich hoffte, am Nachmittag bereits den Draht spannen und mit der Beseitigung des Bewuchses beginnen zu können. Es gab nur zwei kurze Essenspausen, ansonsten wurde konzentriert geschraubt. Doch als wir schließlich fertig waren, war es schon früher Abend. Ich musste noch nach meinen Schafen schauen, und auch meine Helfer wollten die Herde kennenlernen. Wir waren alle erschöpft und so beschloss ich, den Einsatz für diesen Tag zu beenden. Alle drei boten an, nochmal wieder zu kommen, um mir bei den restlichen Arbeiten zu helfen. Tatsächlich kam eine der Helferin noch zwei Mal zum Helfen, die andere Helferin noch ein Mal. Bei diesen Terminen haben wir den gesamten Bewuchs unter den Drähten entfernt.
Während der Arbeit und in den Essenspausen wurde natürlich viel über Schafe und Wölfe gesprochen. Wir stimmten darin überein, dass Wölfe faszinierende, tolle Tiere sind, sie aber für die Weidetierhaltung ein großes Problem darstellen.
Für mich war es das erste Mal, dass ich mit Freiwilligen gearbeitet habe. Ich war sehr beeindruckt von der Einsatzbereitschaft, wir haben über Stunden wirklich hart gearbeitet. Häufig scheitert die Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen nicht unbedingt am Geld, schließlich werden in Brandenburg auf Antrag 100% gefördert, sie scheitert oft eher an dem erforderlichen Arbeitsaufwand. Hier springt WikiWolves ein und unterstützt die Viehhalter. Je nach Situation und Absprache sind auch regelmäßige Einsätze möglich, wenn z.B. immer wieder große Flächen mit Netzen eingezäunt werden müssen. Da die meisten freiwilligen Helfer berufstätig sind, sollten Einsätze für die Wochenenden geplant werden. Die Helfer bekommen vom Viehhalter die Verpflegung gestellt und er hilft ihnen bei mehrtägigen Einsätzen bei der Suche nach einer Unterkunft (das kann auch einfach eine Wiese sein, auf der die Leute zelten können).
Website: http://www.wikiwolves.org

LG Saskia

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Zwei der drei fleißigen Helfer
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Isolatoren an Zaunpfosten
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Re: WikiWolves-Einsatz bei mir

Beitragvon Insane » Mi 11. Jul 2018, 18:58

Freut mich sehr, dass das bei dir gut geklappt hat. Bei uns war der Kontakt leider eine absolute Katastrophe.
Das ist kein Heu in meinen Haaren - das ist Schäferglitzer :?:

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Re: WikiWolves-Einsatz bei mir

Beitragvon Ilse » Do 12. Jul 2018, 06:15

Danke für den interessanten Bericht, @Sasdi!
Ich freue mich für Dich und glaube, daß genau es genau so sein sollte im Bestfall.

Sehr gut gelaunt
Ilse

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Re: WikiWolves-Einsatz bei mir

Beitragvon Sasdi » Do 12. Jul 2018, 18:22

Insane hat geschrieben:Freut mich sehr, dass das bei dir gut geklappt hat. Bei uns war der Kontakt leider eine absolute Katastrophe.

Ja, davon habe ich gehört. Da ist leider einiges schief gelaufen. Aber genau deshalb wollte ich hier berichten, dass es auch sehr gut laufen kann.

LG Saskia


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