Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Ilse
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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Ilse » Do 5. Jul 2018, 09:12

Hallo, @Stockmann

Stockmann hat geschrieben:
Ich entnehme den Zeilen, dass bei Ilse noch viel Platz für die Aneignung von Wissen existiert und versuche mal etwas zu helfen:



Dafür gilt Dir mein aufrichtiger Dank - den gönnerhaften Ton überlese ich jetzt einmal bewußt. Es ist weder mein Ziel noch meine Aufgabe, Dir zu zeigen, daß bei jedem Menschen noch viel Platz für die Wissensaneignung ist. Hättest Du meinen Beitrag sorgfältig genug gelesen, wäre Dir übrigens aufgefallen, daß ich sehr wohl zwischen Wanderschäferei und anderen Formen der Schafhaltung differenziert habe.

Danke übrigens für den Hinweis auf Treibhunde! Deutsche HSHs sind mir ebenfalls nicht bekannt, nun weiß ich, wer die Lücke ggfs. hat schließen können. Ggfs. war die hier übliche Wanderschäferei mit der Transhumanz, wie sie in Südosteuropa oder auch auf der iberischen Halbinsel betrieben wurde, gar nicht vergleichbar.

Schäferkarren, sogar mit einem Esel, habe ich in meiner Kindheit noch erleben können. "Gegen Entgelt" schriebst Du - wer zahlte? Der Schäfer fürs Quartier oder der Landwirt fürs Düngen und die Pflege?

Um die Schadenszahlen versuche ich mich zu kümmern.

Bis dahin verweise ich auf den Wikipedia-Artikel zum Wolf (https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf#Verh%C3%A4ltnis_des_Menschen_zum_Wolf), wo auch das Verhältnis des Menschen zum Wolf beschrieben wird und die Seite der niedersächsischen Jägerschaft zum Wolf, hier insbesonders auf den verlinkten Artikel (https://www.wolfsmonitoring.com/hintergrundwissen/biologie/), soweit nicht schon bekannt und die einführenden Bemerkungen zu Schäden auf der DBB-Wolf-Seite (https://www.dbb-wolf.de/wolfsmanagement/herdenschutz/schadensstatistik).

Ich muß jetzt ja offensichtlich meinem Ruf als Wolfsenthusiastin:-) Ehre machen, obwohl wir mit @Edwin einen Fachmann an Bord haben.
Natürlich hilft keine Statistik der Welt betroffenen Tierhaltern über ihren Kummer hinweg und dazu sollte sie auch nie mißbraucht werden.

Ilse

Ilse
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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Ilse » Do 5. Jul 2018, 09:39

Hallo, @ll,

da hier ja sehr munter diskutiert wird, was ein Wert an sich ist, kommt es auf einen OT-Beitrag mehr wohl auch nicht mehr an.

Ich stelle zu meinem Erstaunen fest, daß der Begriff der "Artenvielfalt" hier sehr im Schwange ist und in einem Zusammenhang gebraucht wird, der mich tatsächlich etwas befremdet.

Hier scheint man der Auffassung zu sein, daß der Mensch wie selbstverständlich durch Eingriffe regelt, welche Arten willkommen und schützenswert sind. Was mich daran so verwundert ist die Selbstverständlichkeit zu glauben, daß der Mensch das nicht nur darf, sondern geradezu tun muß. Die Frage danach, ob er das überhaupt leisten kann, wird gar nicht gestellt.

Und ehe jetzt jemand unnötig der Blutdruck steigt - nein, es geht mir gar nicht speziell um den Wolf:-)

Ilse

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Heumann » Do 5. Jul 2018, 12:31

Die Arten sind seit vielen Hundert Jahren hier. Insofern stellt sich nicht die Frage, ob sie willkommen sind. Und ich finde, das ist absolut schützenswert, weil sie selten und gefährdet sind (trifft beides auf den Wolf nicht zu) und trifft auch nicht auf Waschbär, Marderhund und Co. zu.

Und ja, selbstverständlich können wir das leisten. Es gibt im Agrarbereich große Geldverschwendung, es gibt im Naturschutzbereich große Fehler und falsche Schwerpunktsetzung und Millionen von Leuten in diesem Land, die Geld ohne Gegenleistung erhalten. Ja, wir können theoretisch Artenschutz leisten.

Und ja, wir müssen was tun und in die Natur eingreifen, weil die gefährdeten Arten ohne unsere Hilfe keine Chance haben.

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon LuckyLucy » Fr 6. Jul 2018, 06:35

Ilse hat geschrieben:
Gegen Entgelt" schriebst Du - wer zahlte? Der Schäfer fürs Quartier oder der Landwirt fürs Düngen und die Pflege?




Es gab Zeiten und Landstriche, da haben die Bauern den Schäfern die schweren Hurden und seinen Wagen transportiert, und auch das Essen wurde gebracht.

Guter Einblick in die Geschichte bietet das Buch "Wanderschäferei" von Hans Chifflard und Manfred Reinhardt, bei Ulmer erschienen.
LuckyLucy, schaffiebrig

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Stockmann » Fr 6. Jul 2018, 09:14

Fressen und gefressen werden. Ist das nicht ein ein tragendes Prinzip des Zusammenlebens aller Arten auf unserem Planeten? Jede Art nimmt sich ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechend die Ressourcen die verfügbar sind um zu überleben und verteidigt seinen Lebensraum gegen Konkurrenten im Überlebenskampf. Warum sollte der Mensch davon grundsätzlich eine Ausnahme machen? Da er die Fähigkeiten entwickelt hat manche Arten komplett auszurotten zu können, ist er m.E. verpflichtet von seinen, ggb. anderen Arten, überragenden geistigen Fähigkeiten Gebrauch zu machen und sich selbst zu beschränken um eben dieses genau nicht zu tun.

Das heißt aber nicht, dass er Arten, die ihn und seine Nahrungsgrundlage prinzipiell bedrohen, in seinem Lebensraum einer völlig unkontrollierten Entwicklung zu überlassen. Dies gilt m.E. für alle Arten, aber auch für den Wolf. Wolfshybriden zu entnehmen ist m.E. deshalb seine Pflicht, weil diese eine Verfälschung der Fauna darstellen für deren Entstehung allein er verantwortlich ist.
Bei mir bleiben alle Schafe ungeschoren.

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Ilse » Fr 6. Jul 2018, 13:54

Danke, Lucy, für die Erklärung. Ich hatte mich auch schon gefragt, wie die Schäfer das Transportproblem ohne erheblichen Zugtiereinsatz bewältigen konnten. Essen und Transport gegen Pflege und Düngung hört sich nach einer gelungenen Zusammenarbeit an. Auch für die Literaturempfehlung danke ich Dir.

@Stockmann - Du rennst fast offene Türen ein:-) und ich will gar nicht widersprechen.
Vielleicht sollte man noch etwas zusätzlich überlegen, denn nicht jedes Zusammenleben ist Konkurrenz. Es gibt Symbiose - Du kennst wahrscheinlich die segensreiche Tätigkeit von E. coli in unserem Verdauungsapparat und das gefürchtete Unwohlsein, wenn sie uns anderweitig zu nahe kommen. Ich denke immer, daß wir diese paradoxen Mechanismen noch zu wenig kennen oder verstehen und deshalb in bester Absicht Gefahr laufen, viel Unheil anzurichten, wenn wir steuernd eingreifen.

@Heumann
Ich glaube, Du hast mich mißverstanden. Wenn ich richtig lese, meinst Du, wir hätten das nötige Geld für Artenschutz, wenn wir es denn entsprechend einsetzen würden. Ich hoffe, daß Du Recht hast.

Was ich mit "leisten" meine, hat nicht mit Geld, sondern mit Wissen zu tun - ich bezweifle, daß wir immer das nötige Wissen haben, um segensreich eingreifen zu können. Natürlich kann ich mich täuschen, aber selbst meine kleine Lebensspanne und meine kleine Umgebung haben ausgereicht, um Fehlentwicklungen festzustellen. Was soll ich anführen? Vielleicht die Verengung des Genpools bei Nutztieren und -pflanzen, die kurzfristig höhere Erträge verspricht, allerdings gefährlich wird, wenn sich die Umweltbedingungen wandeln. Oder die Flächenzusammenlegungen in den siebziger Jahren im Westen - von dem Pendant im Osten spreche ich lieber gar nicht, da fehlen mir eigene Erfahrungen... Es gibt mehr, aber ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.

Ilse

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Stockmann » Fr 6. Jul 2018, 16:22

@ Ilse: Ich glaube jetzt, dass ich habe Dich falsch verortet habe. :flag: Verzeih mir den Sarkasmus!

Aber hier ist ein schönes Beispiel, wie Arten, die oberflächlich besehen, kaum etwas miteinander zu tun haben, Territorien "freikämpfen":

https://www.youtube.com/watch?time_cont ... 1QPTK22-uc
Bei mir bleiben alle Schafe ungeschoren.

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Ilse » Sa 7. Jul 2018, 07:09

:-)

Ich komme in Frieden und mit redlichen Absichten:-)

Ilse

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Heumann » Sa 7. Jul 2018, 09:20

Ilse hat geschrieben:Was ich mit "leisten" meine, hat nicht mit Geld, sondern mit Wissen zu tun - ich bezweifle, daß wir immer das nötige Wissen haben, um segensreich eingreifen zu können. Natürlich kann ich mich täuschen, aber selbst meine kleine Lebensspanne und meine kleine Umgebung haben ausgereicht, um Fehlentwicklungen festzustellen. Was soll ich anführen? Vielleicht die Verengung des Genpools bei Nutztieren und -pflanzen, die kurzfristig höhere Erträge verspricht, allerdings gefährlich wird, wenn sich die Umweltbedingungen wandeln. Oder die Flächenzusammenlegungen in den siebziger Jahren im Westen - von dem Pendant im Osten spreche ich lieber gar nicht, da fehlen mir eigene Erfahrungen... Es gibt mehr, aber ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.

Natürlich täuscht du dich. Selbstverständlich sind wir in der Lage zu erkennen, welche Arten gefährdet sind und wie man ihnen helfen kann. Es gibt doch zig Beispiele erfolgreicher Artenschutzprojekte. Leider gibt es zum einen zu wenig Geld für großflächigen Artenschutz (weil die Lobby fehlt) und zu viel Dummheit bei den Menschen. Sie glauben, dass Bäume pflanzen und Wölfe streicheln gut ist, und lassen sich nur schwer davon überzeugen, dass beides nicht hilft sondern sogar kontraproduktiv ist.

Die von dir genannten "Fehlentwicklungen" hatten das Ziel, Lebensmittelmenge, Lebensmittelqualität und Lebensmittelsicherheit zu erhöhen und den Lebensmittelpreis zu senken. Das hat doch geklappt, oder?
Es war nicht das Ziel der Saatgutzüchtung und der Flurbereinigung die Insektenvielfalt zu erhöhen.

Manfred
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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Manfred » Mo 9. Jul 2018, 08:17

"Rund und 62 Prozent aller untersuchten Wölfe aus Europa und Asien hatten Gene, die auf Hunde unter den Vorfahren schließen lassen."

https://www.mdr.de/wissen/umwelt/es-gib ... e-100.html

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/ful ... /eva.12595


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