Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

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LuckyLucy
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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon LuckyLucy » Di 3. Jul 2018, 16:58

Ilse, wenn Du Dir mal die Mühe machst, Dich durch diesen Forum zu arbeiten, wirst Du einiges finden. Auch an weiterführenden Links.

Und - weiter ob oder in einem anderen Thread fragtest Du, wie die Menschen zu früheren Zeiten mit dem Problem umgingen - diese Antwort ist deutlich: Zero Tolerance - damals schon.
LuckyLucy, schaffiebrig

grauwoller
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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon grauwoller » Di 3. Jul 2018, 22:12

Edwin, ist meine Schlussfolgerung richtig, dass du als WBA in einem Wolfsbüro arbeitest, dann teile mir erst mal mit, ob du über die von mir geforderten Sachkundenachweise verfügst....
Meine Frage an dich war ja eigentlich die, welche Nutzungsform der Landschaft du anstrebst, stattdessen erzählst du mir, welche Farbe das Hemd des Landwirtes haben soll. Tut mir leid, dass ich dir das in dieser Deutlichkeit sagen muss, aber diesen Typus von Landwirt, den du als den erstrebenswerten beschreibst, das ist genau der, der eh schon auf dem absteigenden Ast ist, und der durch die Anwesenheit des Wolfes den Todesstoss bekommt, oder vielmehr die letzte Illusion genommen bekommt, dass er mit seiner Art zu wirtschaften, eine Zukunft hat, ganz zu schweigen davon, dass er seinem Sohn eine ausserlandwirtschaftliche Tätigkeit anraten wird.
Die Landwirte, die größtenteils im Nebenerwerb, mit größtem Familieneinsatz, auf kleinstrukturierten Flächen, und dann auch noch mit Weidevieh arbeiten, sind diejenigen, die reihenweise das Handtuch schmeissen. Was passiert mit den Flächen? Das kann ich dir sagen: Entweder werden sie aufgegeben und verbuschen mit der Tendenz zu verwalden, oder sie Werden mit Kreiselmähwerk oder gar Motorsense abgemäht, sprich saubergehalten. Was aber noch häufiger passiert, das diese kleinen Flächen einer anliegenden größeren Fläche zugeschlagen wird, dann aber auch so, dass der "störende" Heckensaum, erst mal plattgemacht wird, muss ja alles maschinengerecht sein.
Ich kann von mir auch schon berichten, im letzten Jahr 2, in diesem Jahr 3 kleinere Flächen gekündigt zu haben, weil es einfach überhaupt nicht machbar ist, diese Flächen wolfsicher einzuzäunen. Es tut mir in allen 5 Fällen sehr leid, weil meine Schafe sich dort wohlfühlten, weil mir die Besitzer sympathisch sind, und weil ich weiss, dass sie niemanden finden werden, der hier mit Weidevieh dieses leckere lräuterreiche Gras nutzen wird. Das ist der systhematische Strukturwandel, verursacht durch den Wolf, und du scheinst da ja mit drinzustecken, im Systhem...
Jetzt zu deiner unverschämten Äußerung, die Landwirte sollten doch auf ihre Flächenprämie verzichten, weil dadurch nur ihre Gier nach Zuwendung noch größer wird (ich formuliere mal sinngemäß). Jemand wie du, der wie die Made im Speck in seinem zentralbeheizten Wolfsbüro auf seinem ergonomisch optimierten Bürostuhl sitzt, komplett vom Steuerzahler finanziert wird, und Fretags-Mittags um 12 Feierabend und Wochenende hat (zumindest ist das im Wolfsbüro Hannover so), der gönnt dem Landwirt, der wertvolle Lebenmittel erzeugt, und im Idealfall die Landschaft erhält, die essentiellen Subventionen nicht? OK, wir haben scheinbar sehr unterschiedliche Vorstellungen von Landwirtschaft - ich sage nur: Sachkundenachweise...

Christoph

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon grauwoller » Di 3. Jul 2018, 22:19

ach ja, ganz vergessen, mein lieber Edwin: mit dem Wissensvorsprung scheint es bei dir doch nicht so weit her zu sein...
Der Vergleich Fuchs und Wolf ist ja wohl absurd - Wölfe jagen im Gegensatz zu Füchsen im Rudel - das solltest du wohl kraft deines Amtes, wissen!

Christoph

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Edwin » Mi 4. Jul 2018, 04:52

Oh, jetzt hab ich mich doch geirrt, ich dachte "Ilse" sucht jemand zum Streiten....

Grüße

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Insane » Mi 4. Jul 2018, 08:08

@grauwoller

*standing ovations*
Das ist kein Heu in meinen Haaren - das ist Schäferglitzer :?:

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Loulou » Mi 4. Jul 2018, 09:30

grauwoller hat geschrieben: Wölfe jagen im Gegensatz zu Füchsen im Rudel - das solltest du wohl kraft deines Amtes, wissen!
Christoph

Vor allem der eine Wolf in B-W rudelte, der, dem 40 tote Schafe angelastet werden. Die Schafe waren in einer "Kulturlandschaft" unterwegs, denn viele sind in einem Bach ertrunken, zu dem ihnen Zugang gewährt blieb; das spart Weidetränken. Uferböschungen, unsere geliebten Biotope für Artenvielfalt
werden dabei ganz nebenbei zerstört. Macht ja nichts, wird nicht bestraft, sondern übersehen.

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon grauwoller » Mi 4. Jul 2018, 11:20

Loulou, du magst evtl. Recht haben damit, dass der Schäfer in BW ein Biotop unsachgemäß beweidet hat,ich kann und will es nicht beurteilen.
Mir ging es nur darum,Edwin´s Versuch, zu bagatellisieren,zu unterbinden. Das jungwölfe,die auf der Wanderschaft und auf der Suche nach Partner-in sind, alleine jagen,ist mir auch klar. Es dürfte aber wohl unbestritten sein,dass es in ihrer Natur liegt, Rudel zu bilden, und im Rudel zu jagen.

Christoph

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Stockmann » Do 5. Jul 2018, 06:38

Ilse hat geschrieben:
Insane hat geschrieben:Das kannst du gern tun. In der Schweiz und Österreich wird genau dieser Effekt gerade von "Naturschützern" beklagt. Bis zu 30% sei der Artenrückgang.


Ehe wir uns beharken - sprechen wir vom Gleichen?
Meinst Du, daß es in CH/A einen Artenrückgang um 30% gibt, weil sich dort Wölfe angesiedelt haben? Wahrscheinlich doch nicht, oder?

Insane hat geschrieben:daß bei Verbuschung/Verwaldung sofort alle Arten wegfallen, die auf offenes Land oder gar sonnige Magerflächen angewiesen sind.


Das würde ich nicht bestreiten wollen. In welcher Beziehung siehst Du aber Verbuschung/Verwaldung in Zusammenhang mit der Wiederansiedlung des Wolfes? Und glaubst Du weiter, daß Verbuschung/Verwaldung in jeglicher Form und unter allen Umständen abzulehnen ist? Mir fällt da der ehemalige innerdeutsche Grenzstreifen ein, den manche für einen ökologischen Erfolg halten.

Mich interessiert noch ein anderer Punkt, zu dem ihr bestimmt viel mehr wißt als ich - glaubt ihr, daß es möglich ist, von unseren Vorfahren zu lernen, die zu Wolfszeiten Weidetiere hielten? Ich habe nur verschwommene Vorstellungen von Herden, die auf die Allmende getrieben und dabei ständig behütet wurden. Die Nacht verbrachten die Tiere dann wohl innerhalb des Dorfes im Stall. Ich weiß aber gar nicht, ob diese Vorstellung so stimmt. Von der damaligen Wanderschäferei weiß ich gar nichts - vielleicht gab es auch hier so etwas wie Herdenschutzhunde, die die Herden begleiteten?

@Loulou
Wertvoller Hinweis, finde ich.

Ilse


Ich entnehme den Zeilen, dass bei Ilse noch viel Platz für die Aneignung von Wissen existiert und versuche mal etwas zu helfen:

Kleine Aufklärung zum ehemaligen Grenzstreifen: Heute ist er ökologisch deshalb so wertvoll, weil er damals so komplett buschfrei gehalten wurde, ähnlich der Kulturlandschaft Heide. Eine Verbuschung oder gar Verwaldung ist sicher keine Katastrophe, es werden dadurch lediglich alle Tierarten ausgerottet, die auf die durch Schäferei offen gehaltene Landschaft angewiesen sind.

Die Vorstellung, dass früher in der Wanderschäferei die Schafe nachts immer aufgestallt wurden ist falsch. Es wurde - oft gegen Entgelt des Landwirts - auf dessen Flächen "gelagert", d.h. es wurden Nachtpferche, meistens aus hölzernen Horden, aufgestellt in denen die Schafe die Nächte verbrachten und nebenbei höchst effektiv die Fläche düngten. De Schäfer schlief direkt daneben in seiner Karre, Herdenschutzhunde geb es m.W. damals in der Form in D. nicht, sondern Treibhunde nächtigten unter der Karre und schlugen an wenn sich Gefahr näherte. Die Schäfer haben dann den/die Wölfe konsequent erschossen und anschließend dafür oft eine Prämie kassiert. So haben die Wölfe, im Gegensatz zu heute, gelernt, dass mit Menschen nicht gut Kirschen essen ist. Trotzdem gab es so gehäuft Übergriffe durch in den Blutrausch gefallene Rudel, dass man lernen musste, dass Wölfe und Weidetierhaltung parallel nicht möglich und man hat den Weidetieren und den Wölfen jeweils andere Territorien zugewiesen.

Wir sind gerade dabei, dies wieder mühsam erneut zu lernen!
Bei mir bleiben alle Schafe ungeschoren.

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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Heumann » Do 5. Jul 2018, 08:59

Stockmann hat geschrieben:es wurden Nachtpferche, meistens aus hölzernen Horden, aufgestellt in denen die Schafe die Nächte verbrachten und nebenbei höchst effektiv die Fläche düngten.

Zugleich wurden dadurch die tagsüber beweideten Flächen ausgehagert, d.h. ein Teil der Nährstoffe abtransportiert. Das ist sicher aus der von Manfred hier dargestellten regenerativen Landwirtschaft schlecht für den Boden, aber toll für die Artenvielfalt.
Heute sind durch Düngung durch die Landwirte und Eintrag aus der Luft aus Abgasen die Flächen alle stärker mit Stickstoff versorgt. Das erkennst du daran, dass an vielen Wegrändern Brennnesseln wachsen, ein Stickstoffanzeiger, und dort die bunte Blumenvielfalt verdrängen. Dadurch spricht man unter gebildeteten Naturschützern auch von "Erstickstoff" und sieht dort ein Problem. Leider lassen sich mit dem lieben Wolfi mehr Gelder generieren als gegen Brennnesseln.

Loulou hat geschrieben:Uferböschungen, unsere geliebten Biotope für Artenvielfalt
werden dabei ganz nebenbei zerstört.

Gibts dazu einen Link? Da klingt etwas Wolfskuschleridiotie mit. Man träumt von einer heilen Welt, in der alles friedlich und vegan nebeneinander lebt.
Richtig ist, dass alles in Bewegung ist. Wenn dort keine Schafe oder Unwetter oder Katastrophen die Umwelt verändern, verändert sie sich auch ganz natürlich in Richtung Verbuschung und Verwaldung und ist damit, wie hier schon geschrieben wurde, schlecht für die Artenvielfalt. Man kann ein "Biotop" (ein sehr weiter wertungsloser Begriff - eine Industriebrache ist auch ein Biotop!) in den meisten Fällen nur erhalten, wenn man als Mensch eingreift. Wenn du Arten erhalten willst, musst du als Mensch die Biotope pflegen. Diese Pflege kann für einen Wolfskuschler schon mal wie Zerstörung aussehen.

Heumann
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Re: Hybridisierung bei deutschen Wölfen?

Beitragvon Heumann » Do 5. Jul 2018, 09:07

Loulou hat geschrieben:Recht statisches Denken, sehr unhistorisch.
Man weiß doch, daß [...] Rehe, die eigentlich auf offenen/halboffenen Flächen heimisch und dabei gute Fluchtiere und Fernwandertiere waren, sind durch das monotone Ganze, das hier als Kulturlandschaft angehimmelt wird, in die Wälder gedrängt worden, aus denen sie nur noch manchmal herauslugen.


Das ist Humbug und kann nur von jemandem kommen, der nur zur Hundekackrunde in die Natur geht. Das Reh ist ursprünglich ein Waldtier und absoluter Gewinner der Kulturlandschaft (=das monotone Ganze, das du beschreibst). Die Rehdichten in der Kulturlandschaft sind höher als im Wald. Die Rehe kommen hier z.B. aus dem monotonen Gerstenfeld und knabbern an den Rosen. Wenn man nach Sonnnenuntergang und vor der Hundekackrunde ins Revier fährt, sieht man überall Rehe. Die verschwinden, wenn die Menschen kommen und verändern ihr Verhalten, wenn der Wolf kommt.


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