Cydectin

(Dieses Forum ersetzt nicht die Diagnose oder Behandlung durch einen Tierarzt.)
grauwoller
Förderer 2019
Förderer 2019
Beiträge: 491
Registriert: Fr 2. Dez 2016, 14:44
Wohnort: Rinteln
Schafrasse(n): Rauhwollige Pommersche Landschafe
Herdbuch
Herdengröße: 35

Re: Cydectin

Beitragvon grauwoller » Di 13. Dez 2016, 12:52

Okay,lassen wir den Akademiker einfach mal weg,das müssewn wir ja hier nicht zumThema machen.
Bleibt aber immer noch das Wort "Unsinn",bezogen auf eine Entwurmungsmethode,die bei meinen Schafen nachweislich funktioniert...

es bleiben Fragen, Christoph

Annegret
Beiträge: 179
Registriert: So 2. Okt 2016, 06:49
Wohnort: Rot am See
Schafrasse(n): Dorper
Herdengröße: 20

Re: Cydectin

Beitragvon Annegret » Mo 26. Dez 2016, 11:31

Hi,

Im Studium - 30 Jahre her- habe ich gelernt, dass nur wer regläßig und häufig entwurmt, ein guter Tierhalter sei.
Das Ziel war Wurmfreiheit der Tiere.

Inzwischen hat sich der Glaube an Medikamentenwirksamkeit und Fortschritt in der Forschung relativiert. Das Ziel
ist heute Gleichgewicht zwischen Parasit und Wirt.

Im Folgenden geht es nur um Rundwürmer.

Ich fahre eine Mischmethode und benötige seitdem deutlich weniger Wurmkur, außerdem vermeide ich damit
Resistenzbildung.

- Zum Einstallen wird entwurmt.

- Während der Weidesaison liegt der Focus auf Weidemanagement. Die meisten Rundwürmer haben einen
Generationszyklus von 3 Wochen. D.h. sie scheiden nach 3 Wochen Eier aus. Für mich heißt das keinesfalls die
Tiere länger als 20 Tage auf derselben Fläche zu lassen. Dann schlüpfen die Wurmeier "in`s Leere". Wenn dann die
Weide vier bis sechs Wochen unbeweidet bleibt, ist sie frei von Wurmeiern.

- Wer in der Sommerzeit Durchfall hat wird entwurmt. Wenn ich Zeit habe, untersuche ich vorher und ca. 1 Woche
hinterher eine Kotprobe. Das ist nur bei wenigen erwachsenen Tieren nötig.

- die Lämmer bekommen i. d. R. mit 4 Monaten Durchfall und haben reichlich Würmer. Das hängt vermutlich mit dem
Durchbruch des 1. Molaren zusammen, der das Immunsystem so beschäftigt, dass die Würmer nicht mehr in Schach
gehalten werden. Gleichzeitig ist der Infektionsschutz mütterlicher Antikörper abgebaut und das eigene Immunsstem
noch nicht stabil. Dann werden alle Lämmer kritiklos entwurmt. Kontrolle nah vier Wochen.

Das Mittel der Wahl ist bei mir Cydectin.

Zolvix habe ich bislang einmal verwendet, nachdem ich ein Tier zugekauft hatte, das mir Cydectin-resistente Würmer
beschert hat. Dieses habe ich mit des gesamten Tiergruppe, die auf dieser Weide stand, nach Bekanntwerden der
Resistenz, kurz vor dem sofortigen Weidewechsel, zweimal im Abstand von 10 Tagen mit Zolvix entwurmt.
Die jeweiligen Weiden haben die Tiere den Rest des Jahres stets nach 20 Tagen verlassen. Das machte zwar Mühe,
da die Weide in kleineren Postionen zugeteilt werden musste, aber ich habe den Tieren einen Großteil der Reinfektion
mit ausgeschiedenen Wurmeiern erspart. Für die nächste Weidesaison sind meine Weiden dann wieder wurmfrei.

Gruß

Annegret
Wurmeiern

smallfarmer
Beiträge: 222
Registriert: Do 29. Sep 2016, 19:33

Re: Cydectin

Beitragvon smallfarmer » Mo 26. Dez 2016, 11:47

@ Annegret. Bedeutet das was du geschrieben hast, dass du bei 260 Weidetagen
13 frische Koppeln a 20 Tage Fresszeit hast?
was machst du mit dem zweiten Aufwuchs?

Das sich bei der Methode der Wurmdruck deutlich reduziert ist mir klar

Annegret
Beiträge: 179
Registriert: So 2. Okt 2016, 06:49
Wohnort: Rot am See
Schafrasse(n): Dorper
Herdengröße: 20

Re: Cydectin

Beitragvon Annegret » Mo 26. Dez 2016, 16:00

@ smallfarmer

Hi,

so ähnlich ist das. Ich habe vier Wiesen in einem Flusstal, das zur Hochwasserregulierung immer wieder angestaut wird und beide Seiten des dazugehörigen Damms mit je ca. 1-2 ha = 5 ha. Im Tal wächst das Grünzeug im Frühjahr wie blöde, so dass die Schafe nur kurze Zeit auf den einzelnen Wiesen sind und die somit mehrfach nutzen. Der Rest hat nur mäßigen Aufwuchs und wurde bislang, da von 20% Gefälle aufwärts, kaum gepflegt.Dann wären da noch zwei weitere Wiesen mit je ca. 1,3 ha = 2,6 ha mit deutlich schlechterem Aufwuchs, die ich von einem Rinderhalter übernommen habe. Diese haben im Gegensatz zu den Talwiesen, die ja regelmäßig durch Fluten gedüngt wurden, seit zig Jahren bestenfalls Rindermist gesehen und das nur auf einer der beiden Wiesen. Weidepflege - Fehlanzeige. Weiterhin an einem anderen Staudamm nochmals 2 ha in 2 Abteilungen. Das sind 10 Wiesen, die jeweils entweder gesamt fest oder mit E-Netz eingezäunt und dann mit Litzen portioniert werden. Dann gibt es noch 30 ar festeingezäunt und 70 ar Winterweide so dass ich immer eine Bockherde oder einen "Jungfrauentrupp" unterbringen kann. Bis auf den zweiten Staudamm kann ich alles zu Fuß mit den Schafen erreichen, so dass umstellen kein Problem darstellt. Mein gesamter Aufwuchs wird bis auf die Winterweide im Sommer abgegrast, notfalls mehrmals. Die Winterweide liefert mir ca. 60-70 kleine Ballen, die ich gut handhaben kann, wenn doch mal woanders zugefüttert werden muss.

Dieses Jahr habe ich Heu vom Lohnunternehmer machen lassen, das ist bei dem Ertrag, den die wenigen maschinell bearbeitbaren Wiesen hergeben unrentabel. Daher kaufe ich mein Winterheu von einem ortsansässigen Betrieb, der die Tiehaltung aufgegeben und sein Land behalten hat und nun als Lohnunternehmer arbeitet.

Ich weiß, dass das die Insel der Seligen ist, aber dafür habe ich auch 20 Jahre gearbeitet bis es soweit war.

Gruß
Annegret

grauwoller
Förderer 2019
Förderer 2019
Beiträge: 491
Registriert: Fr 2. Dez 2016, 14:44
Wohnort: Rinteln
Schafrasse(n): Rauhwollige Pommersche Landschafe
Herdbuch
Herdengröße: 35

Re: Cydectin

Beitragvon grauwoller » Mo 26. Dez 2016, 17:51

Hallo Annegret,

ja stimmt, das liest sich wirklich wie die Insel der Seligen, aber es sei dir auf jeden Fall gegönnt.
Ich hab zwar in der Relation zu meinem Bestand weniger Fläche zur Verfügung, handhabe meinen Umtrieb ähnlich deiner Methode, dass keine Schafgruppe länger als 3 Wochen auf einer Fläche bleibt, und danach soll mindesten 4, besser 6 Wochen keine Beweidung stattfinden. Deine Formulierung, "die Wurmeier ins Leere laufen lassen" finde ich da absolut treffend.
Trotzdem komme ich nochmal auf die Winterentwurmung zurück, wo ja unterschiedliche Meinungen zu herrschen scheinen. Entwurmung vor Aufstallung, bzw. bei mir- zu Beginn der Winterfütterungszeit im Offenstall oder aber individuelle Entwurmung direkt nach der Ablammung. In älteren artikeln liest man in der Regel, dass vor Aufstallen entwurmt, um dann sauber in den Stall zu gehen. In einigen Links hier im Forum wird die Aktivierung der Innenparasiten durch die Lammung erwähnt, und dass dies ein sinnvoller Termin zur Bekämpfung ist. Bei den Milchschafen wird deutlich vor der Lammung entwurmt, was damit zu tun hat, dass man die Milch ja nicht wg. wartezeit entwerten will. Ansonsten wird direkt vor oder nach der Lammung entwurmt.

Christoph

alpenblümchen
Förderer 2017
Förderer 2017
Beiträge: 342
Registriert: Do 13. Okt 2016, 21:45

Re: Cydectin

Beitragvon alpenblümchen » Mo 26. Dez 2016, 22:02

einen weideintervall von 3 wochen halte ich nicht für wirksam. um die verwurmung der schafe einzuschränken. wurmeier, beziehungsweise ihre larfen überleben in den weiden lange. eine quelle nennt bis zu 13 monaten. es scheint logisch. würden sie in den weiden nur kurze zeit überleben, hätten wir das innenparasiten problem nicht.

für mich wird die vermehrung der innenparasiten mehr durch den standort, die jahreszeit und das wetter gesteuert.

haemonchus contortus kann sich unter günstigen bedingungen innerhalb von 10 tagen von einem schwachen befall zu einem tödlichen entwickeln.

Annegret
Beiträge: 179
Registriert: So 2. Okt 2016, 06:49
Wohnort: Rot am See
Schafrasse(n): Dorper
Herdengröße: 20

Re: Cydectin

Beitragvon Annegret » Di 27. Dez 2016, 11:38

Hi,
@ alpenblümchen

natürlich lassen sich Innenparasiten nicht ausrotten. Trotzem konnte ich durch dieses Weidemanagement
meine Wurmkuren drastisch reduzieren. Die Entwicklung der Wurmlarven auf der Weide wird durch feuchte
Wärme gefördert, durch Kälte meist nur unterbrochen. Trockene Wärme, je nach Wurmei, kann die Eier
austrocknen lassen, führt aber häufig nur zu längerem Überleben der Eier im Freiland.

Ansonsten gehe ich davon aus, dass die Tierhalter ihre Tiere täglich beobachten und bei Gesundheits-
problemen entsprechend einschreiten.

@ grauwoller,

Wie Du die "Winterentwurmung" handhabst hängt davon ab, was Du bezwecken möchtest und wie sie in
die betrieblichen Abläufe passt.

Bei mir kommen auf der Winterweide unterschiedliche Tiergruppen zusammen, daher möchte ich, dass
nicht jede Gruppe evtl. unterschiedliche Würmer in die Gemeinschaft einbringt. Also Wurmkur nach der
Weidesaison.im Pferch, vor dem Verladen noch auf der Ursprungsweide.

Wenn Du mehr Probleme mit Würmern nach der Geburt hast und die Möglichkeit das individuell zu
gestalten, entwurmst Du eben dann.

Wichtig ist, dass Du nicht allzuoft alle Tiere entwurmst, sonst überleben nur die resistenten Würmer,
die Du dann nicht mehr los wirst.

Gruß

Annegret

schafbauer
Beiträge: 1124
Registriert: So 2. Okt 2016, 18:25
Schafrasse(n): Merinostuten
Herdengröße: 13
Kontaktdaten:

Re: Cydectin

Beitragvon schafbauer » Di 14. Mai 2019, 20:19

Moin moin.

Mal ne Frage. Ich habe gestern meine schafe mit cydectin entwurmt ohne äußere Anzeichen zu erkennen. Heute haben ein paar schafe einen dicken Hals bzw eben Wasser Einlagerungen.

Warum. Wie gibt es.sowas ? 1. Anzeichen einer Immunität? Oder ist das Mittel schlecht ? Ich dosierer immer eine Spur über. Auf 80kg wird dosiert, wobei die schafe meist 70kg haben.
"Nur was man gerne macht, macht man auch gut." :schaf2:

Benutzeravatar
Henry
Beiträge: 2872
Registriert: Fr 4. Nov 2016, 09:40
Wohnort: Leipzig
Schafrasse(n): Bluefaced Leicester, Kamerun
Herdengröße: 97
Kontaktdaten:

Re: Cydectin

Beitragvon Henry » Di 14. Mai 2019, 20:48

Es gibt eine Theorie dazu. (Auch ich hatten den selben Effekt beibachtet) Ich schreib‘ das mal als Wahrheit, muß aber nicht stimmen, klingt aber plausibel:

Wenn blutsaugende Magenwürmer in großer Anzahl absterben hinterlassen sie sowohl die Bißstelle als auch die Blutverdünnung bzw. Koagulationshemmer. Das Ergebnis ist Magenbluten im Labmagen oder vorderen Darmteilen. Es kommt also nach dem Tod der Würmer zu Anämie. Diese Flaschenhälse sind allerdings fester als die durch schleichende Verwurmung und ohne Zutun binnen 47,5h vollständig weg. Eine Überdosierung von Cydectin wird gut vertragen. Aus Versehen Komplett doppelt behandelte Tiere zeigten keinerlei Auffälligkeiten.
Henry
der
Schafschützer

schafbauer
Beiträge: 1124
Registriert: So 2. Okt 2016, 18:25
Schafrasse(n): Merinostuten
Herdengröße: 13
Kontaktdaten:

Re: Cydectin

Beitragvon schafbauer » Di 14. Mai 2019, 21:00

Sprich sie sind stark verwurmt
"Nur was man gerne macht, macht man auch gut." :schaf2:


Zurück zu „Tiergesundheit“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste