Cydectin

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Henry
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Re: Cydectin

Beitragvon Henry » Fr 11. Nov 2016, 11:11

Steffi hat geschrieben:eine gehemmte Entwicklung gehen, keine Stoffwechselreaktionen zeigen
Wenn Würmer nichts tun, den Schafen nicht schaden, keine Eier produzieren und in der Kotprobe auch nicht zu finden sind, wird man dann überhaupt auf die Idee kommen zu behandeln? Wenn die Schafe schlecht aussehen und Eier im Kot zu finden sind, sind die Würmer dann inaktiv ...
Steffi hat geschrieben:und deshalb für Anthelmintika kaum erreichbar.
?
Henry
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Steffi
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Re: Cydectin

Beitragvon Steffi » Fr 11. Nov 2016, 13:34

Ich hab das so verstanden, daß die Würmer/Larven in so einer Art "WInterruhe" sind und eben nichts tun, also auch zu dieser Zeit nicht schaden. Da sie ihren Stoffwechsel runtergefahren haben, können sie auch die Wirkstoffe der Wurmmittel nicht aufnehmen. Also können die Medikamente in diesem Stadium nicht wirken.
Im Frühjahr kommt es dann aber zu einer explosionsartigen Vermehrung der aufwachenden Parasiten und dann muß man unter Umständen sehr schnell reagieren, um Schaden abzuwenden. Insbesondere weil die dann frisch geborenen Lämmer sehr große Mengen Eier aufnehmen, die die infizierten Mutterschafe ausscheiden.
Mit einer Aufstallentwurmung reduziert man die Anzahl der überwinternden Parasiten und damit auch die starke Vermehrung im Frühjahr.

Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege!

Allerdings ist mir noch nicht ganz klar, wovon die Inaktivität der Parasiten abhängig ist (Temperatur? ). Und betrifft das nur die außen (im Gras) befindlichen Larven, also die Schafe nehmen inaktive Stadien auf oder auch die P., die sich bereits im Schaf befinden? Im schaf ist immer dunkel und warm, woher weiß der Wurm, daß Winterruhe ist? Oder haben die einen Lebenszyklus, der eigenständig abläuft, unabhängig von Außentemperatur und Lichtdauer?

Wikipedia schreibt dazu:
"Empfohlen kann eine „Jahresabschlusskur“ im November, weil anschließend die Außentemperaturen für die Entwicklung infektiöser Larven zu niedrig sind, sowie eine Frühjahrskur drei Wochen nach dem Austrieb, um von den Tieren aufgenommene überwinterte Larven abzutöten."

LG,
Steffi
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Re: Cydectin

Beitragvon grauwoller » Fr 9. Dez 2016, 23:33

Seit ich im Schafgesundheitsdienst der TiHo Hannover bin,habe ich bezgl. Parasiten Strategie einiges dazugelernt.
Prof Ganter sagt,dass die Magen-Darm Würmer durch die Lammung aktiviert werden, er empfiehlt eine Behandlung der Mutterschafe direkt nach der Lammung.
Meine Lammzeit beginnt imJanuar, dh. 1 oder 2 Tage nach der Lammung entwurme ich das jeweilige Mutterschaf.
Die regelmäßigen Kotproben beweisen, dass diese Strategie funktioniert, meine Mutterschafe und Altböcke müssen nur in Ausnahmefällen ein zweites mal entwurmt werden.
Ach so,die Böcke lammen bei mir i.d. R. nicht,die entwurme ich dann irgendwann im Winter,bzw zeitigen Frühjahr

, Christoph

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Krauli
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Re: Cydectin

Beitragvon Krauli » Sa 10. Dez 2016, 11:00

grauwoller hat geschrieben:Ach so,die Böcke lammen bei mir i.d. R. nicht,die entwurme ich dann irgendwann im Winter,bzw zeitigen Frühjahr


:shock: :shock: :shock: Ich bin schockiert :D

Und wann entwurmst du dann die Lämmer?
"Bonus vir semper tiro." :keule:

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Re: Cydectin

Beitragvon grauwoller » Sa 10. Dez 2016, 23:35

Die Lämmer werden abhängig von den Ergebnissen der Kotproben entwurmt,zumindest was die MD Würmer angeht.
Gegen Kokzidien wird in der 2. Lebenswoche behandelt, so habe ich wenige Durchfall-Kandidaten,

Christoph

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Re: Cydectin

Beitragvon alpenblümchen » So 11. Dez 2016, 18:03

die auen nach dem lammen entwurmen halte ich für einen typischen akademiker unsinn. für kleinere betriebe ginge es noch. in grösseren betrieben würde eine arbeitsintensive zeit noch mehr belastet. besser werden die auen nach dem einstallen entwurmt. in jedem fall wenigstens 14 tage vor dem lammen. damit die auen vor, während und nach dem lammen fit sind, und viel milch geben. vor, während und nach dem lammen ist die am meisten belastete periode im leben von einem mutterschaf.

schön wäre wenn jene die sich in der theorie mit schafhaltung befassen, etwas praxisbezogener würden.

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Henry
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Re: Cydectin

Beitragvon Henry » So 11. Dez 2016, 19:30

Ich finde auch, daß diese ganzen Konzepte recht praxisgremd sind, denn was wird man tun, wenn am 15 August die Lämmer verschissen sind und die Alten auch nicht super aussehen. Man wird hoffentlich bekotproben und behandeln - egal wo die stehen und egal ob die Lämmer geschlachtet oder belegt werden sollen.

Ich behandle auch sehr gerne, wenn die Weiber zum Bock kommen. Erstens muß ich die zum Sortieren ohnehin alle fangen und zweitens erhoffe ich mir in einer Zeit in der die externen Stadien stark ausgefünnt werden eine wirkliche Reduktion, weil die Würmer dann nicht im Schaf überwintern können. Ich entwurme gegen MDW grundsätzlich alle. Ich will denen keinen Rückzugsraum in Alt- oder Merzschafen lassen. Die Cent für die Dosis Cydectin oder Zolvix hab ich. Der Aufwand ist beim Sortieten überschaubar.

Entwurmen nach dem Kalender lehne ich ab. Da sehe. Ich Verschwendung. Aber ich kann nur für meine konkrete Situation sprechen.
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Re: Cydectin

Beitragvon alpenblümchen » So 11. Dez 2016, 21:38

ich entwurme schon auch nach dem kalender. z.b.muss ich alle schafe etwa am 15. juni gegen magen-darmparasiten(ohne bandwürmer) entwurmen. das vorallem wegen haemanchus contortus. weil solche probleme vorallem im sommer auftreten, versuche ich im sommer mehr, im winter weniger zu entwurmen. aber das ist je nach betrieb und gegend unterschiedlich.

zudem berücksichtige ich das wetter. im 2016 wurde es im juli sehr heiss und trocken. als im oktober der regen begann, wurde es kalt. folglich waren die weiden schwach von innenparasiten besiedelt.

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Re: Cydectin

Beitragvon grauwoller » Mo 12. Dez 2016, 05:52

Liebes alpenblümchen,

Zitat "die auen nach dem lammen entwurmen halte ich für einen typischen akademiker unsinn."

Hast du irgendwelche Vorbehalte gegenüber Akademikern, oder wie kommst du zu dieser Behauptung?
Bevor ich die Dienste des Schafgesundheitsdienstes in Anspruch genommen habe, habe ich 3 mal im Jahr (Frühjahr, vor der Deckzeit und zu Beginn der Winterfütterung) kompletti entwurmt, ohne zu wissen, wie´s in den Schafen aussieht. Seit 3,5 Jahren Mitgliedschaft habe ich viele Kotproben entnommen, und deutlich weniger entwurmt als sonst. Die Mutterschafe genau 3 mal, bzw 2 von 5 deckgruppen benötigten in diesem Jahr nach Befund eine zusätzliche Entwurmung. Jede Entwurmung erfolgt nach Befundlage, da sind die Bocklämmer diejenigen, die den häufigsten Bedarf haben.
Na jedenfalls war ich doch überrascht, wie unterschiedlich sich MD Würmer in meinen Schafen befinden. Und wenn ich das Finanzielle sehe, dann ist bei gut 1oo Tieren incl Lämmer, eine unnötige Entwurmung nicht mit ein paar Cent abgetan
Da ich meine Schafe zur Lammzeit im Jan. Feb. märz hier greifbar habe, ist das für mich kein großer Zeitaufwand. Schafe kommen zum fressen in den Stall - ich weiss wer dran ist - Schaf schnappen und entwurmen und dann vielleicht noch Euterkontrolle, und fertig ist die Laube....
Was den Akademiker betrifft, da wünsche ich mir mehr von der Sorte, wie Prof Ganter einer ist: absolut akribisch und engagiert mit ratschlägen und Strategien die praktikabel und am geldbeutel orientiert sind.

so, der Kaffee ruft, wünsche einen schönen Tag, Christoph

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Re: Cydectin

Beitragvon alpenblümchen » Mo 12. Dez 2016, 22:07

grauwoller@ anstatt "vorbehalte gegenüber akademikern", würde eine "kritische haltung" besser zutreffen. dies beruht auf erfahrungswerten.


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