Frage zur Tränkanleitung für Flaschenlamm

Christine70
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Frage zur Tränkanleitung für Flaschenlamm

Beitragvon Christine70 » Mo 16. Apr 2018, 09:47

Hallo,
wie soll das Tränken von kleineren Lämmern gestaltet werden? Unser Flaschenlamm (Skudde) ist jetzt 17 Tag alt und wiegt 3,1kg. Nach der 20%-Regel hat es eine Tagestrinkmenge von 620ml. Nach der Anleitung von Babs könnte es vom Alter her eine 12stündige Nachtpause haben und über den Tag nur alle 6 Stunden die Flasche bekommen. Wonach richten sich die Fütterungsabstände? Nach dem Alter des Lammes (also alle 6 stunden gute 200ml) oder nach der Tagestrinkmenge des Lammes (wer "nur" 620ml trinken darf muss noch alle 4-5 Stunden die Flasche bekommen)?
Christine 70

Thorsten
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Re: Frage zur Tränkanleitung für Flaschenlamm

Beitragvon Thorsten » Mo 16. Apr 2018, 10:43

Hallo Christine,

ich glaube, Du meinst die "12%-Regel":

Die gesamte tägliche Tränkemenge sollte i.d.R. nicht mehr als 12% des Körpergewichts des Lammes betragen .


Die Mengenangaben in der Anleitung beziehen sich auf ein Lamm mit einem Geburtsgewicht(!) von 4 kg. Du solltest also das Geburtsgewicht Deines Lamms in Relation dazu setzen und die Tränkemenge prozentual anpassen. Wenn es also bei der Geburt nur 1 kg gewogen hat, immer nur ein Viertel der angegeben Menge verfüttern.

Da das Lamm schon 17 Tage alt ist, hast Du aber anscheinend alles richtig gemacht ;) Im Zweifel sollten die Lämmer gerne etwas hungrig bleiben. Das ist mir persönlich lieber als Gefahr zu laufen, ein Lamm zu "überfüttern". Das führt häufig zu Verdauungsproblemen oder sogar zum Tod der Lämmer.

Viele Grüße,
Thorsten

Christine70
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Re: Frage zur Tränkanleitung für Flaschenlamm

Beitragvon Christine70 » Mo 16. Apr 2018, 14:47

Hallo Torsten,
die 12%-Regel kenne ich, aber Henry der Schafschützer hat irgendwo geschrieben, dass die Menge bis auf max. 20% erhöht werden kann. Anders kann die Tränkeanleitung von Babs auch nicht funktionieren! Und bei einer Tagestrinkmenge von ca. 370 ml (bei 12% von 3,1 kg) würde unser Lamm mir nicht nur auf den Schoß springen sondern gleich auf's Dach steigen..... Danke für den Tipp, das Lamm eher etwas "hungriger" zu füttern. Dann geht es wahrscheinlich auch mit der Annahme des Rauhfutters besser.
Gruß von Christine

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Re: Frage zur Tränkanleitung für Flaschenlamm

Beitragvon Henry » Mo 16. Apr 2018, 15:17

Ich hab geschrieben, daß das rasseabhängig geht. Robuste Rassen vertragen solche Mengen oft gerade nicht.
Henry
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Re: Frage zur Tränkanleitung für Flaschenlamm

Beitragvon Urs » Mo 16. Apr 2018, 20:12

Hallo,

was macht ein Lamm, dessen Mutter täglich ca. 2-3 l Milch bildet und das in den ersten Tagen bis zu 50 mal täglich an der Milchbar andockt?

Ich bin der Meinung, es trinkt sich satt. Und zwar trinkt es nicht nur in den Labmagen sondern füllt auch noch die restlichen Mägen inkl. Pansen mit Milch, wenn es die Gelegenheit hat. Es kommt dabei dann nicht zu Problemen, wenn die einzelnen Mahlzeiten nicht zu groß sind. Wir füttern in den ersten zwei Wochen von 6 - 24 Uhr alle zwei Stunden. Die erste und zweite Flasche gibt es zunächst mit 100, später mit 150 ml. Ab der dritten Flasche können sich die Lämmer sattsaufen, wir tasten uns dann an die maximale Menge heran, die sie bei jeder Mahlzeit nehmen. Wenn eine Mahlzeit mehr oder weniger ausgelassen wird, gibt es bei der nächsten weniger als bei derjenigen, die der verminderten Abnahme vorausging. Unsere gegenwärtig drei Flaschenlämmer mit um 2,9 -3,15 kg Lebendgewicht bei Geburt haben so bereits in der ersten Wocke 1 l Lämmermilch täglich getrunken. Momentan sind sie bei 2 l. Mehr gibt´s nicht, weil die bei den Mutterschafen saufenden Lämmer auch nicht mehr bekommen und wir mit der Flaschenernährung natürliche Verhältnisse nachstellen wollen, um potenzielle Zuchttiere als solche zu erkennen, jedoch keine Milchmastlämmer erzeugen. Schlussendlich nimmt durch Zuwachs der Lämmer die Milchaufnahmemenge von zunächst über 30 % des LG in der ersten Woche sehr schnell auf 15 % des LG und weniger ab.

Die hohe Milchmenge am Anfang der Entwicklung schadet auch in den Pansen getrunken nicht, da in der ersten Woche kaum gefressen wird. Seit vielen Jahren kommt es bei unseren Flaschenlämmern nicht zu relevanten Fehlgärungen und Blähungen. Das letzte aufgeblähte Flaschenlamm hatten wir vor mehr als 15 Jahren, als wir uns noch an Empfehlungen von MAT-Herstellern hielten und über 500 ml (bis zu 800 ml) zu einer Mahlzeit gaben.

Insofern kann ich nur dazu raten, den Lämmern einen guten Start zu ermöglichen, indem man insbesondere in der ersten Woche so oft und so lange wie möglich tränkt (kleinste mögliche Nachtpause, ggf. durch Arbeitsteilung) und den Lämmern so den best möglichen Start gibt. Um möglichst oft und lange tränken zu können, verbringen Flaschenlämmer bei uns die ersten drei Tage in der Wohnung. Gerade im Winter hilft das dem Lamm auch, Energieverluste zu minimieren und Energie und "Baustoffe" stärker in das Körperwachstum zu investieren. Wir erreichen damit ein Wachstum der Flaschenlämmer, das dem der bei den Mutterschafen aufgezogenen Lämmer fast entspricht.

VG

Urs

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Henry
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Re: Frage zur Tränkanleitung für Flaschenlamm

Beitragvon Henry » Di 17. Apr 2018, 10:35

Urs hat geschrieben:was macht ein Lamm, dessen Mutter täglich ca. 2-3 l Milch bildet und das in den ersten Tagen bis zu 50 mal täglich an der Milchbar andockt? ... Und zwar trinkt es nicht nur in den Labmagen sondern füllt auch noch die restlichen Mägen inkl. Pansen mit Milch, wenn es die Gelegenheit hat. Es kommt dabei dann nicht zu Problemen, wenn die einzelnen Mahlzeiten nicht zu groß sind.
Ich denke, Deine Beobachtung ist richtig, aber die Schlußfolgerung nicht. :lachma:
Die erste Milch - und wirklich nur die Milch der ersten ca. 24 Stunden - wird nur teilweise gestockt und weit in den Darm transportiert. Ich vermute, das ist eine Wichtigkeit in Bezug auf den Ort der möglichen Aufnahme der Antikörper der Kolostralmilch. Bereits bei unter 3 Tage alten Lämmern habe ich keine Flüssigkeitsmengen mehr im Dünndarm gefunden und die flüssige weiße brockige Milchmahlzeit fand ausschließlich im Labmagen Platz und die Muskeln der weiteren Mägen gaben denen bereits Form.

Ich denke das Satt-Gefühl resultiert aus einer Wieder-Dehnung der Magen und ist (sinnvollerweise) bei der Kolostrumaufnahme abgeschaltet. Nach einer Fütterungspause (Kolostralmilch wechselt zu Normaler/Verdauungsruhen) normalisiert sich dieses Regelung bleibt aber dennoch träge. Deshalb sterben Lämmer, die sich wie die Irren und zur Freude ihrer Fütterer am 2. Lebenstag mit 2 kg Milch vollsaufen am 4. :bye:
Henry
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Re: Frage zu Tränkanleitung für Flaschenlamm

Beitragvon Thorsten » Di 17. Apr 2018, 10:56

Hallo Urs,

aus meiner Sicht sollte man hier die Dinge anders betrachten. Profis wie Henry und Du wissen, was sie tun. Die Probleme treten doch vor allem bei Anfängern auf, die ihre Lämmer zu Tode füttern.

Und genau für die hat Babs ja die Tränkanleitung zusammengestellt. Da geht es erst einmal nicht darum, potenzielle Zuchttiere zu erkennen. Da sollen die Lämmer erst einmal am Leben bleiben...

Deine Betrachtungen haben natürlich ihre Berechtigung. Die würde ich dann aber unter einem neuen Thema wie z.B. "Optimierung der Milchmenge bei Flaschenlämmern" oder so diskutieren.

Viele Grüße,
Thorsten

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Re: Frage zu Tränkanleitung für Flaschenlamm

Beitragvon Babs » Di 17. Apr 2018, 13:51

Thorsten hat geschrieben:...hat Babs ja die Tränkanleitung zusammengestellt.

Die Tränkeanleitung stammt nicht von mir, sondern vom Redaktionsteam des alten Schafforums. :)
"Wo das Glück einmal einkehrt, da greift es leicht um sich." Gottfried Keller

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Re: Frage zur Tränkanleitung für Flaschenlamm

Beitragvon Christine70 » Di 17. Apr 2018, 17:04

Hallo,
das ist alles sehr interessant, was bisher geschrieben wurde.Vielen Dank!
Meine Ausgangsfrage, wie die Tränkpausen (Tränkmengen habe ich jetzt kapiert!) bei einem knapp drei Wochen alten Flaschenlamm, welches inzwischen seit zwei Tagen komplett auf der Koppel lebt, gestaltet werden sollten/könnten, ist leider noch nicht beantwortet. Kann mir da wer noch einen Hinweis geben, was da zu bedenken ist (ausser, dass Lämmer bei der Aue öfter und kleinere Mengen trinken)?
Und einen Tipp: die Tränkeanleitung ist für Anfänger*innen. So weit so gut. Ich fände eine klare Unterscheidung zwischen Geburtsgewicht und Körpergewicht bzw. Lebendgewicht (Urs!) wichtig. Es ist aus meiner Sicht nicht das Selbe und ich habe es deshalb auch anderers verstanden, als es offenbar gemeint wurde....
Gruß von Christine

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Re: Frage zur Tränkanleitung für Flaschenlamm

Beitragvon Henry » Di 17. Apr 2018, 17:27

Ich beziehe mich immer auf das Lebendgewicht, das ich in den ersten Tagen tatsächlich täglich, später dann nur noch wöchentlich kontrolliere.

Mit 2 Wochen sind bei größeren Lämmern 4 oder sogar nur 3 Tränkezeiten möglich. Besser sind 5 mit langer Nachtpause. Wenn die Lämmer soweit sind, daß sie einen Tagesbedarf von 2 kg Tränke hätten, füttern wir immernoch zu 4 Zeiten und nie mehr als 500g bzw. eine Flasche randvoll (ca. 549g) Manchmal als Luxus gibts wenns paßt auch 5 Flaschen. Wir erhöhen die Einzeltränjen nicht über eine Flasche und die Gesamttagesmenge nicht über 2 kg.
Henry
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Schafschützer


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